VW/Porsche : Piëch sagt Wiedeking, wo es langgeht

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gibt die Richtung für den neuen Konzern VW-Porsche vor: Porsche müsse seine Schuldenprobleme selber lösen, der Einstieg eines Investors komme nicht in Frage. Ob Ferdinand Wiedeking Chef in Stuttgart bleibt, scheint mehr als fraglich.

Olbia"Die Fusion unter den jetzigen Bedingungen würde VW vorhandene Rechte kosten", sagte Piëch am Montagabend am Rande der Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien. Gleichzeitig stellte er klar, die Rechte des Landes Niedersachsen als Großaktionär nicht antasten zu wollen.

Vor einer Fusion sei eine schnelle Lösung der Finanzprobleme von Porsche nötig, sagte Piëch. "Der Schaden wird größer, wenn nicht kurzfristig gehandelt wird." Für den Stuttgarter Autobauer sei es im Augenblick aber schwer, Geld aufzutreiben. VW treibe dagegen leichter Kredite auf. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar.

Dem möglichen Einstieg eines dritten Investors bei Volkswagen zur Lösung der Finanzprobleme erteilte Piëch zunächst eine Absage. "Ich kann mir keine guten Bedingungen für VW und Porsche erwarten, wenn da ein Dritter dazukommt." Zunächst müssten die akuten Probleme gelöst
werden. Wenn dies erledigt sein, sei ein weiterer Investor natürlich willkommen.

Mit dem VW-Gesetz in seiner jetzigen Form habe er keine Probleme, sagte Piëch. "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben. Die Zeit wird zeigen, dass es geht." Auch die Frage, ob künftig Stuttgart oder Wolfsburg Sitz des neuen Autoimperiums wird, stelle sich eigentlich gar nicht.

Über die Zukunft von Porsche-Chef Wiedeking sagte Piëch: "Für Porsche war Wiedeking der beste, sicher über 15 Jahre". Wiedeking sei "persönlich bemüht", den "Reifendefekt" zu beheben, der durch die Verschuldung von Porsche entstanden sei. Piëch äußerte Zweifel, dass Wiedeking Markenchef in einem neuen VW-Porsche-Konzern werden wolle. "Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut - ich weiß nicht." Schon andere Manager wie Bernd Pischetsrieder hatten nach Äußerungen wie diesen ihren Hut nehmen müssen.



Die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piech, hatten sich vergangene Woche auf einen Zusammenschluss mit Europas größtem Autohersteller verständigt, um die durch die VW-Übernahme entstandene Finanzlücke zu schließen. Auf Porsche lasten durch die Übernahme von 51 Prozent an VW Nettoschulden von neun Milliarden Euro. Dagegen verfügte VW im Automobilgeschäft zuletzt über eine Netto-Liquidität von fast elf Milliarden Euro. Aus VW und Porsche soll nun ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken entstehen. Innerhalb von vier Wochen soll ein Plan ausgearbeitet werden, wie ein integrierter Konzern aussehen könnte. (sp/dpa/Reuters)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben