Wirtschaft : VW prüft Fertigung in den USA

Audi-Chef spricht von einem „klaren Vorteil“/Unabhängigkeit vom Wechselkurs angestrebt

Alfons Frese

Berlin - Der VW-Konzern denkt verschärft über eine Produktion in den USA nach. Mit einer neuen Fabrik würde Europas größter Autohersteller unabhängiger vom Wechselkurs und könnte das Image in den USA, dem weltweit größten Automarkt, heben. Vor allem für die VW- Tochter Audi, die in Nordamerika weit hinter ihrem Wettbewerber BMW zurückbleibt, wäre eine Fertigung in den USA attraktiv. „Es ist ganz klar ein Vorteil, wenn man auf dem US-Markt produziert“, sagte Audi-Chef Martin Winterkorn der „Süddeutschen Zeitung“. Die amerikanischen Käufer würden das honorieren. Er sprach von einer strategischen Frage, die gemeinsam mit der Konzernmutter VW zu beantworten sei. VW- Chef Bernd Pischetsrieder hatte zuletzt häufiger die Notwendigkeit betont, sich auch über eine Produktion im Dollarraum vom Wechselkurs unabhängiger zu machen. Im vergangenen Jahr hatte VW vor allem wegen des starken Euro rund eine Milliarde Euro Verlust in den USA eingefahren. Und auch in diesem Jahr werden rote Zahlen erwartet, wenn auch nicht in der Höhe des Vorjahres.

2004 verkaufte VW 256000 Autos in den USA, das waren 15 Prozent weniger als 2003. Bei Audi ging es um zehn Prozent auf 78000 bergab. Im laufenden Jahr will Winterkorn zwar 90000 Fahrzeuge verkaufen, bleibt damit aber noch immer weit hinter der BMW Group zurück, die 2004 fast 300000 Autos (plus sechs Prozent) der Marken BMW und Mini in den USA absetzte. Damit verkauft der Volumenhersteller Volkswagen mit den Marken VW und Audi nur rund 30000 Autos mehr in den USA als der Premiumhersteller BMW.

Nach Einschätzung des Gelsenkirchener Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer hängt das zusammen mit der falschen Modellpolitik und einer fehlenden Produktion in den USA. Es sei beispielsweise ein Fehler gewesen, den Geländewagen Touareg unter dem Label VW und nicht als Audi in den USA zu verkaufen. Der Touareg verkaufe sich in den USA deutlich schlechter als die vergleichbaren Modelle von Mercedes (M-Klasse) und BMW (X-5), die im Süden der USA gebaut werden. Wenn der Touareg in den USA als Audi verkauft würde, könnte der Konzern nach Rechnungen Dudenhöffers bis zu 150 Millionen Euro zusätzlichen Gewinn einstreichen, weil der Absatz steige und höhere Preise verlangt werden könnten.

Mittelfristig erwartet Dudenhöffer ein VW- oder Audi-Werk in den USA, wie es zum Beispiel die Japaner vorgemacht hätten. So verkaufe Toyota inzwischen – auch aus Fabriken vor Ort – mehr als zwei Millionen Autos pro Jahr in den Vereinigten Staaten. VW unterhielt von 1979 bis 1988 eine Fabrik in Westmoreland, Pennsylvania, wo unter anderem der Golf gebaut wurde. Wegen Qualitätsmängeln und dauerndem Ärger mit den Gewerkschaften wurde die Fabrik 1988 geschlossen.

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