Wirtschaft : VW steigt bei MAN ein

Volkswagen kauft 15 Prozent und bringt Bewegung in die Scania-Übernahme

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Düsseldorf / München - Im Übernahmepoker um den schwedischen Lkw-Hersteller Scania ist der Scania-Großaktionär VW in die Offensive gegangen. Der Autokonzern kündigte am Mittwoch überraschend an, dass er sich mit gut 15 Prozent an dem Münchener Nutzfahrzeughersteller MAN beteiligt habe. MAN hatte vor zwei Wochen ein Übernahmeangebot für Scania vorgelegt. VW-Chef Bernd Pischetsrieder betonte nun das „industrielle Interesse“ seines Konzerns am Nutzfahrzeuggeschäft. „Es ist das klare Ziel von Volkswagen, dieses Interesse nicht nur zu wahren, sondern vielmehr deren Wahrnehmungsmöglichkeiten zu stärken.“ Eine vollständige Übernahme von MAN beabsichtigt VW aber nach eigenen Angaben nicht. „Das Vorgehen von Volkswagen ist in keinerlei Hinsicht als unfreundlich beabsichtigt“, heißt es ausdrücklich in der Mitteilung der Wolfsburger.

Als Motiv für den 15-prozentigen Einstieg nennen die Wolfsburger die Abwehr einer möglichen feindlichen Übernahme. „Angesichts von Hinweisen im Markt auf einen unfreundlichen Übernahmeversuch durch Dritte ist diese Beteiligung an MAN zur Sicherung der Interessen von Volkswagen erforderlich“, hieß es in einer VW-Mitteilung. MAN begrüßte VW „als strategischen Aktionär“ und sprach von einem „positiven Schritt im Zusammenhang mit dem Angebot für Scania“. Bislang hält VW 34 Prozent an Scania. Die Börse reagierte mit kräftigen Kursabschlägen bei MAN (minus 7,5 Prozent) und Kursgewinnen bei VW (plus 1,3 Prozent). Händlern zufolge waren die Übernahmefantasien bei MAN durch den VW-Einstieg aus dem Markt verschwunden.

Die Wolfsburger sind größter Scania- Aktionär und hatten unlängst zusammen mit dem zweitgrößten Anteilseigner, der schwedischen Investor-Gruppe, ein Übernahmeangebot von MAN für den schwedischen Lkw-Bauer zurückgewiesen, weil ihnen der Preis nicht ausreichte. Nun sind die Wolfsburger vor allem daran interessiert, das eigene Lkw-Geschäft in Brasilien in das neue Unternehmen einzubringen und größtmöglichen Einfluss zu gewinnen. Zurzeit hält der Konzern bei Scania die Sperrminorität. An einem fusionierten Konzern MAN/Scania hätten die Wolfsburger höchstens noch 16 Prozent der Anteile gehalten. Dank der nunmehr erworbenen gut 15 Prozent an MAN sichert sich VW nach ersten Berechnungen von Analysten die angestrebte Sperrminorität von 25 Prozent und damit eine einflussreiche Machtposition.

VW-Chef Pischetsrieder habe jetzt ein erhebliches Druckpotenzial, sagte Patrick Juchemich, Auto- Analyst vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Das vorgelegte Übernahmeangebot von MAN dürfte damit vom Tisch sein. Die Offerte von MAN spiegele „nicht den fairen Wert der Stimmrechte und des Kapitalanteils von Volkswagen an Scania wider“, bekräftigte Volkswagen am Mittwoch. MAN hatte am 18. September einen Preis für Scania von 9,6 Milliarden Euro angeboten.

Unklar war, wie VW es in kurzer Zeit geschafft hat, so viele MAN-Aktien zu kaufen. In Finanzkreisen wurde vermutet, VW könne zehn Prozent vom Versicherer Axa und den Rest an der Börse gekauft haben. VW wollte sich dazu nicht äußern. Den Vorschriften nach hat VW eine Woche Zeit, um MAN und die Finanzaufsicht zu informieren, wenn die Meldeschwelle von fünf Prozent überschritten wurde. HB/alf

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