Wirtschaft : VW stellt Passat-Werk in Emden in Frage

Langfristig nur noch Luxusautos aus Deutschland/Piëch: Hartz ist eine „gewaltig tragische“ Figur

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Frankfurt am Main Nach dem Ausscheiden von Personalvorstand Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert drängt das VW-Management auf Kostenreduzierung an den deutschen Standorten. Konzernchef Bernd Pischetsrieder stellte am Mittwoch im Rahmen einer telefonischen Analystenkonferenz sogar die prinzipielle Überlebensfähigkeit der europäischen Automobilproduktion in Frage. Am Beispiel des Werkes Emden sagte er: „Wenn es nicht gelingt, den Passat zu Kosten zu produzieren, die einen profitablen Export erlauben, hat das Werk langfristig keine Zukunft.“ In Emden baute VW im 2004 mit rund 9600 Mitarbeitern 204000 Passat.

Von den Analysten wurden die Aussagen positiv bewertet: „Willkommen in der Realität“, kommentierte Albrecht Denninghoff von der Hypovereinsbank. Investoren hatten immer wieder geklagt, dass das VW-Konsensmodell, in dessen Mittelpunkt die im Zuge der VW-Korruptionsaffäre zurückgetretenen Hartz und Volkert standen, die nötige Senkung der Personalkosten verhindere.

Im Gespräch mit dem „Stern“ äußerten sich Pischetsrieder und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gemeinsam zur Korruptionsaffäre. Nach den bisherigen Ermittlungen bleibe es bei „drei Vorgängen“ in Indien, Angola und Prag. „Aber anscheinend ist der Kreis der nicht zum Unternehmen gehörenden Beteiligten größer als erwartet“, sagte Pischetsrieder. Von den „Millionen Seiten“ umfassenden Dokumenten sind laut Piëch bislang „noch keine zehn Prozent“ überprüft worden. Von Luxus- und Lustreisen der Betriebsräte hätten sie beide nichts gewusst. Piëch bezeichnete Hartz als „gewaltig tragische“ Figur. Als Hartz von Bundeskanzler Gerhard Schröder gefragt worden sei, ob er die Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes leite, hätten er und Pischetsrieder abgeraten. „Wir wussten, dass er sich ins Unglück stürzt: Geht es gut, war es Schröder, geht es schief, war es Hartz.“ „Zähneknirschend“ hätten dann beide zugestimmt.

Zu Spekulationen, wonach der künftige Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche den VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard als Mercedes-Chef nach Stuttgart holen wollte, sagte Piëch. „Herr Bernhard hat sich ausgerechnet, dass Herr Pischetsrieder fünf Jahre älter ist als Herr Zetsche. Wenn er gute Arbeit leistet, weiß er, wo er früher dran ist.“

Auf die Frage, ob die beiden Automanager auf einen Regierungswechsel hofften, antwortete Piëch: „Wir sind einig, dass wir den Trittin nicht wieder wollen. Das ist uns das Wichtigste.“ Er und Pischetsrieder seien im Übrigen überzeugt, „dass langfristig in Deutschland nur noch die Luxusklasse mit vernünftiger Rendite zu produzieren ist“.

Kurzfristig will der VW-Konzern seine Ertragskraft mit einem Sparprogramm bis 2008 um vier Milliarden Euro gegenüber 2004 verbessern; im vergangenen Jahr lag der Vorsteuergewinn bei gut einer Milliarde Euro. Besonders schwierig ist die Situation in den USA, wo VW 2004 eine Milliarde Euro Verlust machte. In diesem Jahr werde das Ergebnis dort „nicht substanziell besser“ ausfallen, so Pischetsrieder. Der Konzernchef betonte auch, dass sich diese Problematik nicht auf den US-Markt beschränke. In den nächsten Jahrzehnten werde das Wachstum nicht in Europa stattfinden, sondern in Märkten wie Südostasien, in denen keine europäischen Verkaufspreise zu erzielen seien. Nur wenn die Kosten so weit sinken würden, dass sich ein Export in diese Länder lohne, seien die europäischen Standorte überlebensfähig: „Davon sind wir noch weit entfernt“, sagte der VW-Chef. hof/HB/alf

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