Wirtschaft : VW stellt sich auf Warnstreiks ein

IG Metall kündigt schärferen Kurs im Tarifkonflikt an/Unternehmen lehnt Angebot der Gewerkschaft ab

Alfons Frese/dpa

Berlin - Kurz vor dem Ende der Friedenspflicht spitzt sich der Tarifkonflikt bei VW zu. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hartmut Meine, warf dem Unternehmen vor, „die ausgestreckte Hand der IG Metall auszuschlagen“ und „auf Krawall aus zu sein“. VW-Personalchef Josef-Fidelis Senn wiederum sprach von einer „absolut unverständlichen Reaktion“ der IG Metall. Würde sich die Gewerkschaft mit ihren Vorstellungen durchsetzen, bedeute das Mehrbelastungen in dreistelliger Millionenhöhe für VW, sagte Senn.

Die beiden Parteien hatten am späten Donnerstagabend nach zwölf Stunden die vierte Verhandlungsrunde ohne Annäherung beendet. Das vorerst letzte Treffen ist für den 28. Oktober geplant. Dann endet auch die Friedenspflicht, sodass für die folgenden Tage mit Warnstreiks gerechnet wird. „Wenn sich bis zum Auslaufen der Friedenspflicht keine Lösung abzeichnet, wird es Warnstreiks geben“, kündigte Meine an. Senn wiederum bewertete die Wahrscheinlichkeit einer Einigung bis dahin als „äußerst gering“.

Bei den Verhandlungen geht es um 103000 VW-Beschäftigte in den sechs westdeutschen Werken. Neben Wolfsburg betrifft es Emden (Passat-Fertigung), Hannover (Nutzfahrzeuge), Salzgitter (Motoren), Kassel und Braunschweig (Lager, Autoteile). Die IG Metall war mit einer Forderung von vier Prozent mehr Lohn und einer langfristigen Arbeitsplatzsicherung in die Verhandlungen gegangen. VW verlangt auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Situation eine zweijährige Nullrunde und darüber hinaus eine Senkung der Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro. Nach Angaben des Unternehmens liegen die Kosten bei VW in Westdeutschland um elf Prozent über dem Durchschnitt der deutschen Wettbewerber und sogar um mehr als 20 Prozent über dem Niveau der osteuropäischen VW-Werke. Deshalb will VW den neuen, kleinen Geländewagen nur dann in Wolfsburg bauen, wenn es dort eine deutliche Kostenentlastung gibt.

In der Verhandlungsrunde am Donnerstag ging die IG Metall auf das Unternehmen zu: Statt einer Einkommenserhöhung um vier Prozent forderte die Gewerkschaft nun eine Erhöhung, wie es sie auf Grundlage des Flächentarifs in der Metallindustrie gibt. Das wären 2,2 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im nächsten Jahr. Ferner erklärte sich die IG Metall bereit, „für Neueingestellte und übernommene Ausgebildete eine gegenüber der bisher Beschäftigten abgesenkte Vergütung zu vereinbaren“. Hartmut Meine, Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite, griff die VW-Führung an. Mit der Ablehnung des Gewerkschaftsvorschlags „und den überzogenen Forderungen nach massiven Einschnitten bei den Beschäftigten“, werde der „Bogen überspannt“ und VW provoziere „die Eskalation des Tarifkonflikts“. VW-Personalchef Senn seinerseits attestierte der IG Metall, den „Ernst der Situation“ noch nicht erkannt zu haben. Eine Sicherung der Arbeitsplätze sei nur mit einer deutlichen Senkung der Arbeitskosten zu erreichen. Mit der Weigerung der Gewerkschaft, dem Konzern beim Thema Kosten entgegenzukommen, werde VW von der IG Metall „systematisch schlechter behandelt als die Wettbewerber“, sagte Senn. Damit schwäche die IG Metall ausgerechnet ein Unternehmen, das sich klar zu seinen Arbeitsplätzen in Deutschland bekenne. Mit den „Rezepten von gestern“ sei Industriearbeit in Deutschland aber nicht zu halten, sagte Senn. Vor Beginn der Tarifrunde hatte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch gedroht, 30000 Arbeitsplätze könnten auf dem Spiel stehen.

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