Wirtschaft : VW steuert Auslieferungs-Rekord an

WOLFSBURG/SAO PAULO (dpa/abu/HB).Volkswagen steuert in diesem Jahr einen neuen Auslieferungsrekord an.In den ersten sechs Monaten lieferte VW weltweit knapp 2,3 Mill.Autos an Kunden aus, gut 90 000 Fahrzeuge oder 4,2 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 1997.Allerdings schwächte sich der Zuwachs im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten leicht ab.

Von den vier Automarken des Konzerns legte VW mit einem Anstieg von 0,8 Prozent auf 1,4 Mill.Autos am schwächsten zu.Den kräftigsten Sprung machte Seat mit plus 18,1 Prozent auf 234 000 vor Skoda mit plus 11,4 Prozent auf 180 000 und Audi mit plus 10 Prozent auf 303 000 Fahrzeuge.Einbußen gab es in Asien sowie bei der Sparte VW-Nutzfahrzeuge.Aber auch in Südamerika verläuft der Verkauf für Volkswagen schlecht.Bis Ende Juni wurden mit einem Minus von 100 000 Autos fast ein Viertel weniger Fahrzeuge ausgeliefert als bis zum gleichen Vorjahreszeitpunkt.

Als Herbert Demel Ende 1996 überraschend seinen Chefposten bei Audi räumte und nach Brasilien ging, wartete Knochenarbeit auf den Topmanager: Volkswagen droht im achtgrößten Automarkt weltweit der Abstieg von seiner Marktführerposition.Herbert Demel muß VW do Brasil vor allem technologisch auf Vordermann bringen.Doch für Demel steht "das große Hauen und Stechen" noch bevor.Vor allem im A-Segment erwartet er "die größten Raufereien".Derzeit bauen General Motors, Renault, Daimler-Benz, aber auch VW und Audi Fabriken für diese Mittelklasse-Pkw, die zur Zeit etwa 10 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen, also rund 200 000 Fahrzeuge.

Für Volkswagen hat sich der Wettbewerbsdruck in Brasilien, dem wichtigsten Markt des Konzerns nach der EU, bereits seit längerem verschärft.Dem Marktführer mit rund 9 Mrd.Dollar Umsatz setzt die Konkurrenz immer mehr zu.Allein im vergangenen Jahr schrumpfte der Marktanteil um fast 10 Prozent auf knapp ein Drittel.Doch für Demel ist das noch kein Grund zur Beunruhigung, denn mit den zunehmenden Fabriken und Marken "blüht uns hier eine Entwicklung wie in Europa.Dort, wo wir zu Hause sind, haben wir einen Marktanteil von 17 Prozent." Grund für die schrumpfenden Marktanteile sind, so heißt es in Brasilien, die veralteten Modelle, die Volkswagen in Südamerika fertigt.Während die Konkurrenz Weltmodelle anbietet, die auch in Turin oder Detroit vom Band laufen, bauen die Wolfsburger immer noch ihre brasilianischen Spezialmodelle.

Demel räumt ein, daß VW eine "der älteren Produktpaletten" anbietet.Dennoch seien die Produkte, "in ihrer Anpassung an lokale Verkehrsbedingungen unglaublich stark".Der VW-Chef sieht die "fehlende Produktemotionalität" als ein Problem in Brasilien, wo der Konzern seit dem Käfer-Launch in den 50er Jahren immer noch vor allem eine "Einstiegsmarke" sei.Als "absolut nicht wettbewerbsfähig" schätzt Demel die in Brasilien ansässige Automobilindustrie ein.Das gelte für die gesamte Kette von Produktion über Zulieferer bis zum Handel.

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