Wirtschaft : VW sucht Schutz bei den Emiraten

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Von Dieter Fockenbrock

Für VolkswagenChef Bernd Pischetsrieder war die Hauptversammlung schon gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Passend zum Aktionärstreffen verkündete der Automanager, dass ein neuer Großaktionär vor der Tür steht: das Emirat Abu Dhabi.

Pischetsrieder ist damit ein Coup gelungen, der die Debatte über miese Geschäfte oder eine verfehlte Strategie mit Luxusautos überdeckte. Der Zeitpunkt für die Ankündigung war bewusst und geschickt gewählt. Denn die Details des milliardenschweren Geschäfts sind noch völlig ungeklärt. Die arabischen Investoren sind als neue Aktionäre in Wolfsburg willkommen, daran lassen weder Pischetsrieder noch Niedersachsens Landeschef Christian Wulff den geringsten Zweifel. Konkurrent Daimler-Chrysler hatte sich schon vor Jahren die Kuwaitis als Aktionäre angelacht, da mochte Volkswagen nicht nachstehen.

Doch hinter dem überraschenden Geschäft steht ein ganz anderen Ziel. Volkswagen will sich eine breite Basis mit Großaktionären schaffen, um langfristig gegen eine feindliche Übernahme gesichert zu sein. Ein spezielles Gesetz verhindert zwar bisher, dass kein Einzelaktionär die Macht bei VW übernehmen kann – nur am Bundesland Niedersachsen führt kein Weg vorbei.

Die Wettbewerbskommission der EU versucht mit Recht seit Jahren, diese Regeln zu kippen. Irgendwann wird sie Erfolg haben, denn für den Übernahmeschutz bei Volkswagen gibt es so wenig Argumente wie für eine Lex Telekom oder ein Siemens-Gesetz. Das wissen die Regierenden in Hannover, das weiß der Vorstand in Wolfsburg. Der Einstieg Abu Dhabis bereitet den Ausstieg aus dem Volkswagen-Gesetz vor.

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