Wirtschaft : VW-Tochter Skoda: Ein Aushängeschild für deutsch-tschechische Wirtschaftskontakte

Stolz haben die Vertreter des Volkswagen-Konzerns und der tschechischen VW-Tochter Skoda am Donnerstag auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit angestoßen. Vor zehn Jahren war dies nicht unbedingt selbstverständlich. Als die Regierung in Prag im April 1991 den Verkauf von "Skoda besiegelte, brachte ihr dies auch Proteste von Bürgern ein: Hunderte Tschechen wandten sich gegen die "Firma aus dem imperialistischen Deutschland". Heute ist diese Stimmung gewichen und das Joint Venture längst zum Zugpferd der heimischen Konjunktur und Aushängeschild der Wirtschaftskontakte beider Länder geworden.

"In den ersten vier Jahren hatten wir den Erfolg vorbereitet, der in den folgenden sechs Jahren kam", zog Skoda-Vorstandsvorsitzender Vratislav Kulhanek in einem Gespräch mit der Zeitung "Pravo" eine positive Bilanz. "Ursprünglich wollten wir pro Jahr 170 000 Fahrzeuge verkaufen, dieses Jahr werden es vielleicht 460 000 sein." Als Ziel für die nächsten zehn Jahre nannte Kulhanek 600 000 Fahrzeuge: "Das dürfte dann die Grenze sein."

Skoda hat ein Rekordjahr hinter sich: Nachdem Umsatz und Gewinn im Jahr 2000 um mehr als 20 Prozent zunahmen, wird auch für das laufende Jahr eine positive Entwicklung erwartet. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs der Umsatz um 23,4 Prozent auf 136,28 Milliarden Kronen (7,7 Milliarden Mark). Das Ergebnis vor Steuern legte um 9,5 Prozent auf 4,18 Milliarden Kronen zu, nach Steuern gab es ein Plus von 26,5 Prozent auf 3,34 Milliarden Kronen. Skoda verkaufte 435 400 Autos (plus 13 Prozent). Produziert wurden 450 910 Fahrzeuge, drei Mal so viel wie 1991.

Anlässlich der Bilanzpressekonferenz vor wenigen Wochen sagte Skoda-Vorstandsmitglied Wilfried Bockelmann mit Blick in die Zukunft: Nach den "überragenden Reaktionen" auf die unlängst in Genf präsentierten Design-Studie "Montreux" lägen die Chancen, das Projekt zu realisieren, bei "über 90 Prozent". Der Wagen zielt eindeutig Richtung Oberklasse. "Wenn wir dieses Modell bauen und alles gut läuft, könnten wir das Auto im Jahr 2002 auf den Markt bringen", sagte Bockelmann.

Vom kommenden Jahr an will das Unternehmen etwa 500 000 Motoren jährlich in einem eigenen Werk bauen. "Wir beginnen im Herbst mit der Produktion", bestätigte Kulhanek. Das Motorenwerk war vor zehn Jahren einer der Investitionsreize, mit denen der Wolfsburger Konzern am Ende die Nase vor seinem schärfsten Mitbewerber Renault/Volvo hatte.

Seitdem hat sich das Engagement nicht nur für VW, wo Skoda oft als "schönste Tochter" bezeichnet wird, sondern auch für die etwa 26 000 Skoda-Mitarbeiter ausgezahlt: Ihre Gehälter liegen deutlich über dem Durchschnitt des Landes, dafür sind die Ansprüche mit Schicht- und Wochenenddienst aber auch nicht unbedingt landestypisch. Die böhmisch-gemütlichen "Kaffee-Ecken" verschwanden jedenfalls sehr bald nach 1991 aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Montagebandes.

Die Skoda-Erfolgsgeschichte hatte 1894 mit der Gründung der Fahrrad-Firma Laurin Klement begonnen. 1914 baute das Werk bereits 5000 Autos. Nach Ansicht von Experten hat das Joint Venture mit VW die traditionelle Marke gerettet. Und während sich die Regierung noch 1991 für ihren Schritt rechtfertigen musste, streiten sich heute die Politiker in Prag um die "Vaterschaft" des "Musterkinds der tschechischen Transformation".

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