Wirtschaft : VW-Tochter will Absatz und Umsatz im Jahr 2000 auf hohem stabilen Niveau halten

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Der Ingolstädter Autobauer startete erfolgreich ins laufende Geschäftsjahrtmh

Die Ingolstädter Audi AG will sich von ihrem Sorgenkind TT Coupé nicht ins Schleudern bringen lassen. Die Nachrüstung des wegen einer Unfallserie ins Gerede gekommenen Sportwagens mit dem Stabilitätsprogramm ESP laufe binnen einer Woche an, sagte Audi-Chef Franz-Josef Paefgen zur Bilanzvorlage in München. Pro Tag könnten 250 Fahrzeuge am Stammsitz Ingolstadt nachgerüstet werden. Als Puffer sei im ungarischen Györ ein weiterer Standort darauf eingerichtet, der über eine Umrüstkapazität von 75 Wagen täglich verfüge. Bei Bedarf sei der nachträgliche ESP-Einbau auch in den USA möglich. Insgesamt koste die Aktion die Volkswagen-Tochter 170 Millionen Mark und "mehr Nerven als Geld," sagte Paefgen. Ein Imageschaden sei damit nicht verbunden.

Im ersten Quartal 2000 ist die Produktion des TT Coupés jedoch um gut ein Fünftel auf noch 8200 Einheiten geschrumpft. Vom Ziel, das Modell bis Ende des Jahres bis zu 60 000 Mal zu verkaufen, rücke Audi nicht ab. Seine Weigerung, für 2000 eine genaue Geschäftsprognose zu geben, begründete der Konzernchef mit der in Deutschland unsicheren Kraftfahrzeug-Konjunktur. Finanziell sei die TT-Umrüstung zum größten Teil in der Vorjahresbilanz verkraftet worden, ergänzte Finanzchef Peter Abele.

Trotz eines um neun Prozent auf 29,6 Milliarden Mark gesteigerten Rekordumsatzes ist 1999 der Audi-Vorsteuergewinn um knapp drei Prozent auf 1,64 Milliarden Mark gesunken. Nach Steuern sprang der Jahresüberschuss jedoch wegen geringerer Ablieferungen an den Fiskus um über ein Drittel auf 634 Millionen Mark. Den Rückgang im Vorsteuerergebnis begründete Abele nicht mit den Kosten für den TT, sondern mit gestiegenem Aufwand für neue Modelle, Investitionen und einem Rückgang des Finanzergebnisses. Auch in den kommenden vier Jahren würden die Investitionen mit insgesamt 16 Milliarden Mark hoch bleiben. Audi ziele nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf eine Stärkung der Marke und eine bessere Marktposition, sagte Paefgen. Zu Spekulationen über einen diesjährigen Gewinnrückgang nahm er keine Stellung.

Die neue Sportwagentochter Lamborghini werde erst in zwei Jahren mit dem Start neuer Modelle in die Gewinnzone kommen, sagte Abele. Lamborghini und die Motorenschmiede Cosworth hatten 1999 zusammen 87 Millionen Mark Verlust eingefahren.

Die wichtigsten Märkte zeigten für Audi zur Zeit eine durchaus positive Entwicklung, sagte Paefgen. Unklar sei allerdings die Situation auf dem deutschen Markt. Daher sei er mit einer Prognose für das Gesamtjahr 2000 zurückhaltend. "Mit dem Start ins neue Jahr können wir zufrieden sein. Für das gesamte Jahr erwarten wir Absatz und Umsatz auf hohem und stabilem Niveau," sagte Paefgen weiter. Im ersten Quartal 2000 wurde der Konzernumsatz um gut ein Fünftel auf 8,1 Milliarden Mark und die globalen Verkäufe um gut zwölf Prozent auf über 163 000 Fahrzeuge gesteigert.

Im Vorjahr konnte Audi sechs Prozent mehr und damit fast 635 000 Autos verkaufen, was eine neue Rekordmarke bedeutete. Hier zu Lande wuchs der Audi-Marktanteil von 6,5 auf 6,8 Prozent. Die größten Zuwächse brachten die USA, wo mit knapp 66 000 Audis 39 Prozent mehr Wagen verkauft wurden. Auch dieses Jahr setzen die Ingolstädter auf die USA sowie die neuen Modelle A2 und Allroad Quattro große Hoffnungen. Das bislang kleinste Modell A2 soll 2000 bis zu 30 000 Mal und 2001 doppelt so oft verkauft werden. Der Allroad soll in diesem Jahr etwa 12 000 Mal und kommendes Jahr bis zu 20 000 Mal abgesetzt werden.

Davon profitiert auch die Belegschaft. 1999 wurde das Personal insgesamt um 4500 auf 46 600 Mitarbeiter aufgestockt. In Deutschland wurden gut 2000 Stellen neu geschaffen. Im laufenden Jahr geht der Aufbau, wenn auch gebremst, weiter. Bis Ende März steige die Zahl der Mitarbeiter auf insgesamt 47 383 und in Deutschland nochmals um 500 auf dann knapp 41 600 Personen, sagte Paefgen.

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