Wirtschaft : VW und MAN offenbar einig über Scania

Übernahmeangebot am Montag / Volkswagen bleibt Anteilseigner / Schwedische Holding Investor soll Anteil an MAN verkaufen

Josef Hofmann

Frankfurt am Main - Die Übernahme des schwedischen LKW-Herstellers Scania durch den Münchener Konkurrenten MAN rückt näher. MAN-Chef Hakan Samuelsson rechnet bei seinem Plan mit der Rückendeckung des Scania-Großaktionärs VW. Die Aktien von MAN legten am Donnerstag um mehr als fünf Prozent zu.

Offiziell äußern sich beide Unternehmen zwar nicht, in konzernnahen Kreisen bei MAN heißt es jedoch, dass sich Samuelsson und VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder geeinigt hätten. Bevor VW allerdings das Kaufangebot von MAN öffentlich unterstützen kann, muss der Konzern den zweiten Scania-Großaktionär, die schwedische Finanzholding Investor, davon überzeugen. Denn VW und Investor haben vereinbart, ihre Strategie bei Scania abzustimmen.

Bereits am heutigen Freitag werden VW und Investor über den Deal sprechen. Dabei soll auch ein möglicher Verkaufspreis der Investor-Anteile ausgelotet werden. Man werde ein Angebot von MAN prüfen, sagte ein Investor-Sprecher am Donnerstag. Das Ergebnis der Gespräche will MAN abwarten, bevor das Unternehmen am Montag ein öffentliches Angebot unterbreiten wird. Über die Details wird der MAN-Aufsichtsrat am Samstag informiert. Dies haben mehrere Personen, die in den Prozess involviert sind, bestätigt.

Der Kaufpreis für alle Scania-Aktien wird auf neun bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Hinter Investor mit einem Stimmrechtsanteil von 19,3 Prozent steht die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg, die über eine Stiftung weitere 9,7 Prozent der Stimmrechte hält. VW besitzt 34 Prozent der Stimmrechte.

MAN muss voraussichtlich nicht den gesamten Kaufpreis aufbringen. Denn der Deal zwischen Pischetsrieder und Samuelsson sehe auch vor, dass die Wolfsburger an der neuen MAN-Scania beteiligt bleiben. Das Scania-Aktienpaket von VW hat aktuell einen Börsenwert von rund 1,7 Milliarden Euro. Die Finanzierung der Übernahme wäre dadurch für MAN einfacher, sind sich Analysten einig. MAN habe genügend Luft für eine höhere Verschuldung, urteilt Julia Varesko von JP Morgan. Ulrich Scholz von Sal. Oppenheim sieht das Finanzierungspotenzial von MAN bei etwa 8,5 Milliarden Euro.

Die Motivation für VW basiert auch auf den „strategisch industriellen Interessen“ am Scania-Anteil, die Pischetsrieder kürzlich betont hat. So haben die Konzernspitzen nach Informationen des „Handelsblatts“ bereits darüber geredet, unter welchen Bedingungen VW sein Geschäft mit schweren LKWs und Bussen in den neuen Konzern integrieren wird. Das soll jedoch, getrennt von dem Scania-Deal, erst der zweite Schritt sein.

VW baut in Brasilien schwere Trucks, ist dort sogar Marktführer und arbeitet profitabel. Der Aufbau der Truck-Fertigung war das Meisterstück des jetzigen VW-Nutzfahrzeugchefs Bernd Wiedemann, der kürzlich bekannt gab, dass er Anfang 2007 in den Ruhestand geht.

Das zweite strategische Ziel für sein Nutzfahrzeuggeschäft, das Pischetsrieder verfolgt, dürfte schneller zu realisieren sein. VW will seine komplette Palette im Lieferwagen- und Transporterbereich über das Vertriebsnetz von MAN und Scania vertreiben. Gegen eine Vertriebskooperation spreche absolut nichts, sagte zuletzt auch VW-Nutzfahrzeugchef Wiedemann. Erste gemeinsame Versuche mit MAN laufen bereits.

Spekulationen, wonach VW seine gesamte Nutzfahrzeugsparte in das Unternehmen MAN-Scania einbringen könnte, seien nicht Gegenstand der Gespräche gewesen, heißt es. Das würde dem Branchentrend entgegenlaufen, die Bereiche zu trennen. HB

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