VW und Porsche : Angriff aus Wolfsburg

VW-Porsche wird hinter Toyota Nummer zwei auf dem Weltmarkt - und setzt BMW und Daimler zu.

Carsten Herz

Frankfurt am MainHöhere Stückzahlen, gemeinsame Entwicklung, zehn Marken - der neue integrierte Autokonzern aus Porsche und Volkswagen ist eine Kampfansage an die Konkurrenz. Schon jetzt schafft der bis 2011 angepeilte Zusammenschluss angesichts der Aufspaltung von General Motors den zweitgrößten Hersteller der Welt nach dem japanischen Autobauer Toyota. Spätestens 2018 wollen die Wolfsburger auch die Japaner überholt haben. Der neue Großkonzern, betont VW-Chef Martin Winterkorn, soll zu einem "Kraftfeld" in der weltweiten Automobilindustrie werden. Das neue Unternehmen ist aber nicht nur ein gefährlicher Herausforderer für den Rivalen in Asien. Auch BMW und Daimler werden sich auf mehr Konkurrenz einstellen müssen. Experten befürchten gravierende Folgen für die heimischen Wettbewerber.

Der geplante VW- Porsche-Deal vergrößert die Dominanz in der deutschen Branche und bringt die beiden führenden Premiumhersteller BMW und Daimler weiter unter Druck. "Daimler und BMW wissen hoffentlich, was auf sie zukommt", sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Die Erfolgsstory von Audi sollte den Konkurrenten Warnung genug sein. "Da sollten in München und Stuttgart die Alarmglocken läuten", meint der Experte.

Auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach, sieht den Abstand zwischen VW-Porsche und den deutschen Rivalen immer größer werden. "VW-Porsche erfüllt alle Kriterien. Neben Toyota ist der deutsche Konzern klar als einer der Großen der Zukunft gesetzt", sagt Bratzel.

Für Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, teilt sich die Autowelt in Deutschland künftig nur noch in zwei Seiten. "Die neue Welt sieht einfach aus: Es gibt VW- Porsche - und es gibt den Rest", urteilt der Branchenexperte. Dudenhöffer empfiehlt den beiden Premiumherstellern BMW und Daimler, ihre Kooperationspläne zu intensivieren. Bisher kommen die seit Jahren laufenden Gespräche aber nur in Trippelschritten voran.

Was die Größe der Zahlen angeht, können es BMW und Daimler aber auf den meisten Feldern ohnehin nicht mit dem neuen Bündnis aus Wolfsburg und Stuttgart aufnehmen. Schon heute verkaufen VW und Porsche mit einem Absatz von weltweit mehr als 6,3 Millionen Fahrzeugen fast doppelt so viele Autos wie BMW und Daimler zusammen. Sie geben mit mehr als fünf Milliarden Euro auch deutlich mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus. Zudem verliert zumindest VW in der Autokrise weniger als die Wettbewerber. So wird der Konzern am Donnerstag zwar voraussichtlich einen starken operativen Gewinneinbruch für das zweite Quartal vorlegen - schreibt aber weiter schwarze Zahlen. Daimler wird einen Tag zuvor die Ziffern für das zweite Quartal bekannt geben und steckt voraussichtlich weiter in der Verlustzone fest.

Seitdem BMW mit dem 1er und Mercedes mit der A-Klasse dem Golf Konkurrenz machen und VW mit dem Phaeton und seinen Marken Bentley, Bugatti und Lamborghini im oberen Segment angreift, sind die Grenzen zwischen den Konzernen verwischt. Auch Porsche konkurriert mit dem Viersitzer Panamera ebenfalls direkt mit BMW und Mercedes.

Die größte Bedrohung der alten Platzhirsche im Premiumsegment ist aber die VW-Nobelmarke Audi. Die Ingolstädter profitieren von den Kostenvorteilen des Konzerns und setzen BMW und Mercedes in immer mehr Segmenten unter Druck. Während Daimler und BMW bislang jedes Modell einzeln entwickeln und diese Investitionen über vergleichsweise geringe Stückzahlen refinanzieren müssen, kann Audi in das breite Regal des Konzerns greifen. So stört es bisher die Kunden offensichtlich wenig, dass der Audi A3 auf einer Basis mit dem Golf steht, der kommende Kleinwagen A1 Teile vom VW Polo bezieht oder der Geländewagen Q7 die Bodengruppe mit den Schwestermodellen VW Touareg und Porsche Cayenne gemeinsam hat. Ein Vorteil, der sich in den Renditekennziffern der Hersteller ablesen lässt: Während Audi im Automobilgeschäft 2008 eine Umsatzrendite von 8,1 Prozent auswies, brachte es Mercedes nur auf 4,4 Prozent und bei BMW mit der Marke Mini reichte es gerade noch für 1,6 Prozent. HB

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