Wirtschaft : VW verlangt billigere Arbeit

Konzern veröffentlicht schlechte Zahlen – und kündigt für die anstehenden Tarifverhandlungen eine harte Linie an

-

Wolfsburg/Hamburg (dpa/Tsp). Der Autobauer Volkswagen will zur Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland seine Arbeitskosten bis 2011 um fast ein Drittel senken. Ein VWSprecher bestätigte am Samstag entsprechende Überlegungen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ geht Personalvorstand Peter Hartz mit einem umfangreichen Forderungspaket in die am 10. Mai startenden Verhandlungen zum neuen VW-Haustarif: „Die Arbeitskosten müssen bis zum Jahr 2011 um rund 30 Prozent runter“, sagte Hartz.

Am Freitag hatte VW die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2004 veröffentlicht. Danach ist der Konzern miserabel ins Jahr gestartet. Der Reingewinn brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 90 Prozent auf 26 Millionen Euro ein. Operativ lag das Ergebnis bei 329 Millionen Euro, etwa die Hälfte weniger als im vergangenen Jahr.

Dabei schwächelte vor allem die Kernmarkengruppe Volkswagen, zu der unter anderen die Modelle Golf, Passat und der Luxuswagen Phaeton gehören. Die Gruppe rutschte operativ in die roten Zahlen. Das Minus betrug 71 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte VW hier noch 188 Millionen Euro verdient. Als Gründe führte VW die weiterhin schlechte Autokonjunktur, den starken Euro, der den Export dämpft, und die hohen Kosten für die Einführung neuer Modelle an.

Dass VW überhaupt schwarze Zahlen schreiben konnte, verdankt der Konzern nur der weiterhin gefragten Markengruppe um Audi, die ihr Ergebnis sogar etwas verbessern konnte, und der sehr profitablen Sparte Finanzdienstleistungen, unter die das Leasinggeschäft fällt.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder betonte jedoch, trotz der schlechten Quartalszahlen halte der Konzern an seinem Jahresziel fest: ein operativer Gewinn – ohne Sondereinflüsse – von mehr als 2,5 Milliarden Euro, der damit den Vorjahreswert übertreffen würde. Bis Ende 2005 will der Konzern insgesamt rund vier Milliarden Euro einsparen. Rund 5000 Stellen sollen weltweit gestrichen werden.

Personalvorstand Hartz will allerdings den kommenden Tarifverhandlungen den Titel „176544“ geben. „Das ist die Summe all unserer Konzern-Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn wir diese Jobs im Land halten wollen, und das wollen wir, müssen wir konkurrenzfähiger werden“, sagte Hartz. Ein VW-Sprecher erklärte, die Pläne stünden im Zusammenhang mit dem verschärften Sparkurs bei Volkswagen. Hartz sagte dem „Spiegel“, die Bruttolöhne bei VW sollten zwar auf dem heutigen Niveau bleiben. „Um die Kosten zu reduzieren, müssen wir aber noch flexibler und besser werden – bei der Arbeitszeit, bei der Entlohung und in der Weiterbildung.“

Wie bereits bekannt, will Hartz bei VW darüber hinaus eine „demografische Arbeitszeit“ einführen. Diese soll es Jüngeren erlauben, künftig deutlich mehr als die bisher bei VW üblichen rund 30 Stunden pro Woche zu arbeiten, damit sie im Alter weniger lange am Band stehen müssen.

Hartz sagte in dem Interview zudem, Überstunden sollten erst ab der vierzigsten Stunde bezahlt werden. Rund 30 Prozent des Lohns sollten künftig für einen Großteil der VW-Beschäftigten an das Betriebsergebnis gekoppelt werden. Zudem möchte Hartz die Kosten für Qualifizierung und Weiterbildung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern teilen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben