VW vs. Porsche : Betriebsräte im Ring

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh liefert sich einen deftigen Streit mit seinem Porsche-Kollegen Uwe Hück. Dabei geht es vor allem um die Machtverteilung in der neuen Porsche-Holding.

Alfons Frese
Osterlohn Hück Foto: dpa
Streithähne: Porsche-Betriebsratsvorsitzender Uwe Hück (links) und VW-Kollege Bernd Osterloh. -Foto: dpa

Berlin – Ein Kampf in der eigenen Klasse – das haben Gewerkschaftsfunktionäre gar nicht gerne. Deshalb sind auch für diese Tage Gespräche der IG Metall- Spitze mit den Kontrahenten aus Wolfsburg und Stuttgart geplant. Bevor sich Bernd Osterloh, Betriebsratschef von Volkswagen, und Uwe Hück, Betriebsratschef von Porsche, noch an die Wäsche gehen. Das würde auch nicht gut ausgehen für Osterloh, denn Hück kann Kickboxen. „Beide sind kämpferische Typen, und wenn die aufeinander losgehen, knallt es“, heißt es in der IG Metall über die Kontrahenten.

So richtig übersichtlich ist die Gefechtslage nicht. Grob gesagt geht es um den Einfluss der Betriebsräte in der neuen Porsche-Holding. Und zwar für den Fall, wenn Porsche die Mehrheit an Volkswagen übernimmt und der VW-Konzern dann eine Tochter des Sportwagenherstellers würde. Derzeit hält Porsche rund 30 Prozent, aber wenn am 23. Oktober das VW-Gesetz fällt, das bislang eine Stimmrechtsbeschränkung für die Großaktionäre vorsieht, dürfte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking den Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen. VW würde dann auch aus Stuttgart-Zuffenhausen gelenkt. Und der mächtige VW-Betriebsrat verlöre Einfluss. Womöglich zugunsten des Porsche-Betriebsrats. Also Uwe Hück.

Der dementiert das nicht einfach sondern schlägt zurück. „Er kommt mir vor wie ein angeschlagener Boxer, der die Orientierung verloren hat“, sagte Hück der „Stuttgarter Zeitung“ über den Kollegen Osterloh. Der wiederum bezichtigt Hück mehr oder weniger der Lüge, indem er es als „schlicht unwahr“ bezeichnet, wenn behauptet werde, dass der VW-Betriebsrat die strittige Mitbestimmungsvereinbarung als „sachgerecht“ gebilligt habe. Osterloh wirft ferner Wiedeking und Hück in einen Topf, beiden sei im Zusammenhang mit den Aufsichtsratsmandaten „die Postenverteilung unglaublich wichtig“ gewesen. Dabei ist die Verteilung der Mandate gar nicht der Knackpunkt. Jeweils zwei Arbeitnehmervertreter von Porsche, VW und der IG Metall sollen in der Aufsichtsgremium das Porsche-Holding einziehen.

Der berühmte Stein des Anstoßes ist vielmehr der Anteil der Betriebsräte und einige zum Teil komplizierte Regelungen in der Vereinbarung. So sollen aus jedem Teilkonzern je 20 Vertreter in den Holding-Betriebsrat entsandt werden – obwohl VW mit 320 000 Mitarbeitern um ein Vielfaches größer ist als Porsche mit 12 000 Beschäftigten. Hück weist zwar darauf hin, dass „bei Abstimmungen gewichtet wird, für wie viele Mitarbeiter die einzelnen Betriebsräte stehen“. Demnach hätten die VW-Leute fast immer die Mehrheit. Doch trotzdem ist den Wolfsburger das nicht recht, weil womöglich oft eine Abgrenzung der betroffenen Beschäftigtengruppen und damit auch der Betriebsräte bei Abstimmungen schwierig sei. Als zweite Unzulänglichkeit der Vereinbarung wird der Umstand genannt, das bei strukturellen Veränderungen des Konzern eine Nachverhandlung der Vereinbarung ausgeschlossen sei. Schließlich und drittens stören sich die Niedersachsen an der Kündigungsfrist. Die Vereinbarung kann erst nach zehn Jahren und dann auch nur mit einer starken Mehrheit gekündigt werden.

Das alles sind komplizierte Punkte – über die Osterloh aber, so jedenfalls die Angaben der anderen Seite – im Verhandlungsprozess informiert wurde. Womöglich ärgert sich Osterloh vor allem darüber, nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt worden zu sein. Diesen Punkt weist Hück wiederum zurück: Das sei rechtlich gar nicht möglich, weil VW ja noch kein Teilkonzern von Porsche ist.

Wahrscheinlich ärgert sich Osterloh vor allem über Wiedeking. Seit Mitte Juni, als die Vereinbarung thematisiert wurde, „verweigert Herr Wiedeking jedes weitere Gespräch mit uns“, klagt Osterloh. Der Wolfsburger fühlt sich schlicht übergangen – und mithin die „Beteiligungsrechte von Hunderttausenden Arbeitnehmern“, der VW-Belegschaft. Die IG Metall-Spitze muss nun den Konflikt runtermoderieren. Das gute Verhältnis, das Gewerkschaftschef Jürgen Peters mit dem VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch pflegt, wird da sicher helfen.

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