Wirtschaft : VW will arabischen Markt erobern

Emirat Abu Dhabi soll den Türöffner spielen / Autobauer baut Logistikzentrum in Ludwigsfelde

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Wolfsburg (Tsp). Die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und dem Emirat Abu Dhabi soll über eine Kapitalbeteiligung an dem Autobauer weit hinausgehen: VW und das Ölland seien sich einig über eine Zusammenarbeit bei der Industrialisierung des Landes. Im Gegenzug wolle VW über Abu Dhabi den Automarkt auf der arabischen Halbinsel erobern. Das sagte VWVorstandschef Bernd Pischetsrieder am Donnerstag in Wolfsburg nach einem Besuch des Wirtschaftsministers von Abu Dhabi, Scheich Hamed bin Zayed al Nahyan, im VW-Werk in Wolfsburg.

Über die Höhe der Beteiligung von Abu Dhabi an VW sei bei dem Besuch nicht gesprochen worden, sagte Pischetsrieder. Letzte Woche war bekannt geworden, dass das Golfemirat mit bis zu zehn Prozent der Aktien als Großaktionär bei Volkswagen einsteigen will. Für die Eroberung des Marktes auf der arabischen Halbinsel will Pischetsrieder die Flottenmanagementfirma Leaseplan einsetzen, die VW zusammen mit Abu Dhabi und einer saudischen Gruppe für zwei Milliarden Euro gekauft hatte. Zur Zeit habe Toyota 40 Prozent des Marktes dort. „Wir nehmen uns vor, dem nachzueifern“, sagte Pischetsrieder. Bei der Zusammenarbeit wolle Abu Dhabi Rohstoffe liefern, sagte der Minister. Er nannte vor allem Kunststoffe. Auch den Bau einer Lkw-Fabrik in Abu Dhabi schloss Pischetsrieder nicht aus. Am Abend sollten die entsprechenden Verträge mit dem Vizepremier und Bruder des Wirtschaftsministers, Scheich Hamdan bin Zayed Al Nahyan, in Berlin unterzeichnet werden. Der Vizepremier hatte den Besuch bei VW nach einer Bombendrohung abgesagt. In Wolfsburg wurde ein Kooperationsabkommen zwischen Niedersachsen und Abu Dhabi unterzeichnet.

Unterdessen gab der Konzern bekannt, dass er in Ludwigsfelde im Landkreis Teltow-Fläming ein Logistikzentrum bauen will, in dem 300 Arbeitsplätze entstehen sollen. Ab 2006 sollten von dort aus rund 330 Werkstätten in den neuen Ländern mit Ersatzteilen beliefert werden.

Derweil meldete die „Financial Times Deutschland“, dass VW in der nordchinesischen Stadt Dalian ein Joint Venture zum Bau von Pkw-Motoren für Modelle wie den Golf oder den Polo errichten will. Partner für die neue Fabrik sei der chinesische Autobauer FAW. Der Vertrag solle am Sonntag während der Deutschlandreise des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao unterzeichnet werden. Wen besucht dem Bericht zufolge die Audi-Fabrik in Ingolstadt und trifft dort VW-Chef Pischetsrieder. Durch eine verstärkte Produktion vor Ort erhofft sich der Konzern demnach Kostenersparnisse, weil nicht mehr so viele Motoren nach China importiert werden müssten.

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