Wirtschaft : VW will im Streit mit Brüssel nicht nachgeben

Konzernchef Piëch spricht von "politischer Strafe" DAVOS/BRÜSSEL (dpa/AFP).Im Streit mit EU-Kommissar Karel Van Miert um eine Geldbuße von 102 Mill.ECU (rund 200 Mill.DM) gegen den VW-Konzern wegen unfairer Geschäftspraktiken will Konzernchef Ferdinand Piëch hart bleiben."Das ist eine politische Strafe, auch in der Höhe", sagte Piëch am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos.Es sei auffällig, daß nur deutsche Autohersteller verdächtigt würden.VW werde an seiner bisherigen Geschäftspolitik nichts ändern, meinte Piëch: "Was legal ist, wird legal bleiben." Zwar sei "nicht auszuschließen", daß italienische Händler in den von Van Miert genannten "sechs oder sieben konkreten Fällen" einen Autoverkauf an deutsche Kunden verweigert hätten.Es gebe aber "keine systematische Geschäftspolitik von VW, die Freizügigkeit einzelner Verbraucher zu behindern".Allerdings werde VW Grauimporteure nicht noch unterstützen. Nach Angaben Piëchs wurden im betreffenden Zeitraum 1993 bis 1996 rund 30 000 Autos der Konzernmarken VW und Audi aus Italien reimportiert, vor allem wegen der damals extrem schwachen Lira.Das seien "rund 80 Güterzüge mit Autos", meinte Piëch.Von einer restriktiven VW-Firmenpolitik könne da wohl keine Rede sein.Das Problem seien vielmehr Währungsgefälle und Steuerunterschiede in den einzelnen EU-Ländern, die solche Grauimporte erst lukrativ machten.Dies zu ändern sei allein Sache der EU. VW hatte angekündigt, gegen das Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu klagen.Die geforderte Strafe werde VW gegebenenfalls aber aus Rückstellungen begleichen."Das werden wir bezahlen können", meinte Piëch.Das Konzernergebnis werde dadurch nicht geschmälert. Verbraucherschützer verlangten unterdessen die Abschaffung aller Vorzugsregelungen für Autokonzerne, um mehr Wettbewerb zugunsten der Kunden zu schaffen.Das Kfz-Gewerbe schloß sinkende Autopreise nach dem EU-Urteil aus. Der Autoindustrie wird mit einem umstrittenen, sogenannten Gruppenfreistellungsabkommen gestattet, ihren Vertrieb über ein exklusives Händlernetz mit Gebietsschutz abzuwickeln, was normalerweise ein Kartell und somit verboten wäre.Die Auflagen regeln unter anderem, daß dem Endverbraucher Wahlfreiheit über den Kaufort und ein europaweit geltender Garantieanspruch gewährt werden muß.Brüssel wirft VW vor, dies mißachtet zu haben.Der Konzern habe seine Vertragshändler in Italien angewiesen, keine im Nettopreis günstigeren VW- oder Audi-Neuwagen an Deutsche oder Österreicher zu verkaufen.Konsequenz des von Brüssel verfügten Freistellungsverlustes ist, daß theoretisch jeder Autohändler ab sofort VW-Neuwagen verkaufen kann und umgekehrt auch die VW-Vertragshändler nicht mehr an den Wolfsburger Konzern gebunden sind.In der Praxis ist dies noch fraglich. Ein VW-Sprecher betonte, der Freistellungsverlust sei nach vorläufiger Einschätzung seines Hauses nur angedroht worden, falls VW den Forderungen der Kommission nicht binnen zwei Monaten nachkommen sollte.Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert hatte am Vorabend indessen erklärt, die Sanktionsmaßnahme gelte ab sofort europaweit.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar