Wirtschaft : VW will Lkw-Hersteller kaufen

HAMBURG (AP).Die geplante Kapitalerhöhung bei Volkswagen soll den Kauf eines Nutzfahrzeug-Herstellers finanzieren.Das erklärte der VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hamburg.Denkbar sei auch eine Kooperation.VW bemühe sich "derzeit intensiv um einen Nutzfahrzeug-Hersteller", sagte Piëch.Der VW-Konzern hat laut Piëch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres seinen Absatz erneut gesteigert.

Ob es tatsächlich konkrete Verhandlungen mit einem Hersteller von Nutzfahrzeugen gibt, ließ Piëch in seiner Rede vor rund 3000 Aktionären offen.Er betonte erneut, VW werde "nicht um jeden Preis diesen Hersteller erwerben".Falls VW keinen interessanten Partner finde, werde VW den Aufbau eigener Lkw-Marken im Alleingang bewältigen.Erste Aktivitäten habe VW bereits gestartet, deutete Piëch an.VW ist nach früheren Angaben vor allem an dem schwedischen Hersteller Scania interessiert.Bislang hieß es allerdings immer in Wolfsburg, der geforderte Preis sei zu hoch.Die geplante Kapitalerhöhung, die die Hauptversammlung im Grundsatz billigen sollte, sieht vor, das Grundkapital um mehr als ein Drittel (782 Mill.DM) auf fast 2,9 Mrd.DM (rund 1,5 Mrd.Euro) aufzustocken.Dadurch kann dem VW-Konzern je nach Ausgabekurs der neuen Aktien bis zu 18 Mrd.DM zufließen.Die Kapitalerhöhung kann innerhalb der kommenden fünf Jahre erfolgen.

Nachdem das Land Niedersachsen als größter Einzelaktionär (18,8 Prozent VW-Anteil) am Dienstag seine Zustimmung signalisiert hat, galt eine positive Entscheidung der Hauptversammlung als sicher.Finanzminister Heinrich Aller (SPD) hatte am Vortag erklärt, das Land verfüge im Aufsichtsrat zusammen mit der Arbeitnehmerbank über "eine latente Mehrheit" und könne so Einfluß auf die Umsetzung der Kapitalerhöhung nehmen.

Von Januar bis Mai lieferte VW weltweit rund zwei Mill.Autos aus, das sind 9,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.Nach den Angaben von Piëch war der Zuwachs bei den Verkäufen nicht überall auf der Welt gleich stark.In Brasilien sei der Absatz beispielsweise um 21 Prozent auf 200 000 Fahrzeuge eingebrochen.Besonders stark legte VW laut Piëch in den ersten fünf Monaten in Nordamerika zu, wo mit 202 000 Auslieferungen ein Zuwachs von 32 Prozent erreicht wurde.In Westeuropa, dem Hauptmarkt von Volkswagen, stiegen die Auslieferungen um 15,9 Prozent auf 1,3 Mill.Wagen.In China seien die Verkäufe mit 153 000 Fahrzeugen auf dem Niveau des Vorjahres geblieben.Die Kernmarken des Volkswagen-Konzerns sind neben VW noch Audi, Skoda und Seat.

Zu Umsatz und Gewinn in den ersten fünf Monaten machte Piëch keine Angaben.Angesichts der möglichen Risiken auf den Weltmarkt bleibe VW bei der Einschätzung für das Gesamtergebnis in 1999 "unverändert vorsichtig", sagte Piëch.

Der überwiegend allgemein gehaltenen Rede des Vorstandsvorsitzenden folgten neben dem Lob für die gute wirtschaftliche Entwicklung zahlreiche, teils auch kritische Nachfragen.Ein Vertreter der Deutschen Bank sprach im Namen von Aktionären von einer "verwirrenden Informationspolitik" bei VW.Fragen gab es insbesondere zu den konkreten Plänen bei den neuen Luxusmarken des Konzerns, Rolls-Royce, Bentley, Bugatti und Lamborghini, zum Ausbau der Nutzfahrzeugsparte oder auch zu den weiteren Kooperationsplänen mit dem japanischen Hersteller Toyota.Piëch hatte vor wenigen Tagen eine Fusion mit Toyota nicht ausgeschlossen.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) bemängelte die dünnen Auskünfte zum laufenden Geschäftsjahr.Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre kritisierte, auch wenn es die bislang höchste Dividende gebe, werde für 1998 mit 625 Mill.DM ein zu geringer Teil des Rekordgewinns von 2,24 (Vorjahr: 1,36) Mrd.DM ausgeschüttet.

VW hatte 1998 weltweit 4,75 (Vorjahr: 4,25) Mill.Autos abgesetzt und dabei einen Umsatz von 134,2 (113,2) Mrd.DM erwirtschaftet.Die Aktionäre sollen je Stammaktien 1,50 (Vorjahr 1,20) DM und für Vorzugsaktien 1,60 (1,30) DM bekommen.

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