Wirtschaft : VW will Milliarden sparen

„Miserables“ erstes Quartal/5000 Arbeitsplätze werden gestrichen

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Wolfsburg (alf). VWChef Bernd Pischetsrieder will den Konzern mit einem umfangreichen Sparprogramm „wetterfest“ machen. Da auf „absehbare Zeit“ nicht mit einer Verbesserung der Rahmenbedingungen zu rechnen sei, wolle sich VW mit dem Sparprogramm „ForMotion“ für schweres Wetter wappnen", sagte Pischetsrieder am Dienstag in Wolfsburg auf der Jahrespressekonferenz.

Mit dem Programm will VW im nächsten Jahr zwei Milliarden Euro zusätzlich sparen; mit den bereits beschlossenen Maßnahmen würde ein Sparvolumen von gut vier Milliarden Euro erreicht. Da künftig nur ein Fünftel der frei werdenden Stellen wieder besetzt wird, reduziert der Konzern seine Mitarbeiterzahl um 3,5 Prozent, das entspricht etwa 5000. In Deutschland baut der Konzern bis zu 2500 Arbeitsplätze ab. Einen Einstellungsstopp werde es aber ebenso wenig geben wie Werksschließungen, sagte Pischetsrieder. An der Börse war die VW-Aktie schwach – sie verlor 3,07 Prozent auf 38,20 Euro.

Nachdem der VW-Gewinn im vergangenen Jahr um knapp 63 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro gesunken war, begann auch das Jahr 2004 schlecht. In den ersten zwei Monaten verkaufte Europas größter Konzern sechs Prozent weniger Autos als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, das erste Quartal werde „miserabel“, sagte Pischetsrieder. Allerdings rutsche der Konzern mit den Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley und Lamborghini nicht in die roten Zahlen. Für das gesamte Jahr sprach der VW-Chef von einem „anspruchsvollen Ziel“, das Vorjahresergebnis zu erreichen. Auch der Absatz werde wieder über fünf Millionen Fahrzeuge liegen. Dennoch leidet VW darunter, dass seit drei Jahren der durchschnittliche Erlös pro Auto fällt. Zudem belastete 2003 der billige Dollar das Konzernergebnis um 1,6 Milliarden Euro.

Konsumfeindliche Stimmung

Schließlich macht VW die schwache Konjunktur und die „alles andere als konsumfreundliche Stimmung, speziell in Deutschland“, zu schaffen. Mit zwölf Prozent sei die Sparquote hier zu Lande doppelt so hoch wie in Japan und sogar viermal höher als in den USA. „Eine Vielzahl von Menschen will keine nennenswerte Neuerwerbung tätigen“, konstatierte der VW-Chef.

Das betrifft insbesondere auch das mit Abstand wichtigste Auto des Konzerns, den Golf. „Der Auftragseingang ist geringer, als wir vor einem Jahr geglaubt haben, bessert sich aber von Monat zu Monat“, sagte Pischetsrieder. 210000 Golf seien seit letztem Herbst gebaut worden, in diesem Jahr will VW 600000 verkaufen. Ob dieses Ziel erreicht werde, „kann ich Ihnen nicht sagen“, räumte Pischetsrieder ein. Zwar gebe es auch derzeit wieder die Hoffnung auf einen anziehenden Automarkt, doch diese Hoffnung habe die Autoindustrie auch in den vergangenen zwei Jahren gehabt. VW richte sich darauf ein, dass sich „die Absatzsituation in Deutschland und Europa nicht verbessern wird“. Um schlimmstenfalls auch mit einem Dollarkurs über 1,30 Euro, einer dauerhaften Absatzstagnation und einer weiteren Reduzierung der Verkaufspreise leben zu können, will der VW-Vorstand mit dem Programm „ForMotion“ Milliarden sparen.

Das Programm beinhaltet insgesamt mehr als 100 Projekte. An erster Stelle stehen die Produktkosten, die bis 2005 um 800 Millionen Euro schrumpfen sollen, wozu die Zulieferer einen großen Teil beisteuern dürften. Bei den Entwicklungskosten sollen 250 Millionen Euro gespart werden, indem der Austausch von Komponenten zwischen einzelnen Konzernmodellen forciert wird. Die Kosten für den über Fluktuation zu erreichenden Stellenabbau um 5000 sowie die Neuorganisation von Teile- und Rechenzentren bezifferte Pischetsrieder auf 600 Millionen Euro. Die weiteren Maßnahmen: Steigerung der Vertriebsleistung (300 Millionen Euro) und der Ergebnisse der Financial Services, der VW Nutzfahrzeuge und der ausländischen Vertriebstöchter (250 Millionen Euro).

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