Wirtschaft : VW wirbt offiziell um Rolls-Royce

Guter Start ins Jahr trotz Einbußen in Südamerika und Asien / Lieferzeiten sollen verkürzt werden WOLFSBURG (dpa).Volkswagen will auf dem Weg in die Weltspitze seine Autoproduktion mit zwei Luxusmarken, neuen Modellen wie dem Kleinwagen Lupo und den Aufbau mehrerer Nutzfahrzeugmarken ausweiten.Als erster Kaufinteressent hat VW jetzt offiziell ein Angebot für die britische Nobelmarke Rolls-Royce abgegeben.Das teilte der VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz in Wolfsburg mit. Trotz enormer Lieferschwierigkeiten vor allem beim neuen Golf und erheblichen Einbußen in Südamerika und Asien steigerte der VW-Konzern seinen Absatz in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 2,2 Prozent.Die von vielen Kunden kritisierten langen Lieferzeiten von durchschnittlich vier bis sechs Monaten sollen sich bis zum Spätsommer "drastisch verkürzen", kündigte Piëch an.Das Ziel sei, diese Wartezeiten zu halbieren.Derzeit schiebt der VW-Konzern einen Auftragsbestand von 619 000 (März 1997: 443 000) Fahrzeugen vor sich her, davon allein 430 000 bei der Marke VW. VW hat vor dem zweiten deutschen Interessenten BMW, München, sein Angebot beim britischen Vickers-Konzern eingereicht.Es umfaßt laut Piëch auch die mit Rolls-Royce verbundene Edelmarke Bentley.Vickers wolle beide Marken nur komplett verkaufen.Einzelheiten unterlägen der Geheimhaltung.BMW bekräftigte am Mittwoch das Interesse an der Rolls-Royce Motor Cars, Crewe.BMW werde "zu gegebener Zeit" ein Angebot abgeben.Zudem gelte die Aussage weiter, daß das Luxussegment, in dem Rolls-Royce agiere, für BMW wichtig sei."Wir werden dort antreten - egal ob mit oder ohne Rolls-Royce", sagte ein Sprecher.Vickers erwartet aber auch weitere Angebote.Der Kurs der Vickers-Aktie zog nach Bekanntwerden des VW-Angebots an.Piëch erklärte in einem Interview, er rechne in der kommenden Woche mit einer Reaktion von Vickers.Falls VW nicht zum Zuge kommt, plant der VW-Chef dennoch zwei neue Marken im Bereich der Luxuslimousinen."Glückt es, sind es die zwei (Rolls-Royce und Bentley), glückt es nicht, werden es zwei andere sein", sagte Piëch.Dann werde es die "Wiederauferstehung historischer Marken geben, die uns gehören oder auch noch nicht gehören." Eine alte Marke, die zum Konzern gehört, ist "Horch".Auch bei den Nutzfahrzeugen werde es neben der bestehenden VW-Sparte eine oder zwei weitere Marken geben, entweder "aus eigener Kraft, über Kooperationen oder Beteiligungen".Mit dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania wird über eine Kooperation verhandelt. Der VW-Chef kündigte an, daß der neue Kleinwagen Lupo noch 1998 auf den Markt kommen soll.Das Drei-Liter-Auto in der Lupo-Reihe soll spätestens im nächsten Jahr kommen.Insgesamt will der VW-Konzern neben dem Lupo 1998 noch vier weitere Modelle auf den Markt bringen.Nach der Jahrtausendwende wolle VW weltweit jährlich mehr als sechs Mill.Fahrzeuge verkaufen.Der Absatzrekord von 1997 lag bei 4,3 Mill.Fahrzeugen.VW ist auch 1998 gut in Fahrt: Weltweit wurden in den ersten drei Monaten 1,057 Mill.Autos verkauft, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich.Auch der Ertrag sei positiver als im ersten Quartal 1997, sagte Piëch.Allerdings gab es empfindliche Einbußen in Südamerika von minus 25 Prozent und in Asien von minus zehn Prozent, die nur durch den guten Verkauf in Europa aufgefangen wurden.In Europa wurden 726 000 Autos der Marken VW, Audi, Seat und Skoda verkauft, sagte Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer. Eine weitere Kapitalerhöhung ist derzeit nicht geplant.Für die um die Hälfte gekürzte Kapitalerhöhung um 150 Mill.DM begann am Mittwoch die Bezugsfrist für die neuen drei Mill.VW-Aktien.Die bisherigen Aktionäre der Volkswagen AG können bis zum 7.April die 50-DM-Stammaktien zum Bezugspreis von 1010 DM ordern.

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