Wirtschaft : Wachsen oder schrumpfen

Die Deutsche Bank setzt auf Größe und das Investmentbanking – die UBS verkleinert und spezialisiert sich.

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Berlin - Bräche eine der beiden Banken zusammen, wäre mindestens das europäische Finanzsystem in Lebensgefahr: Die Deutsche Bank und die Schweizer UBS werden beide als „systemrelevant“ eingestuft. Beide sind zu groß, um zu scheitern. Beide Geldhäuser haben die Finanz- und Schuldenkrise überlebt – aber die Schlussfolgerungen, die sie jeweils daraus ziehen, könnten unterschiedlicher nicht sein: Analysten sprachen am Dienstag anlässlich der Quartalsberichte beider Großbanken von einer Weichenstellung für die gesamte Branche.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Spitze der Deutschen Bank leiten einen Kulturwandel ein, der die Bank umbaut, aber als Universalbank erhalten und an die Weltspitze führen soll, vor allem im Investmentbanking und Anleihegeschäft. Hier wurde zuletzt wieder überraschend viel Geld verdient – vor Steuern 662 Millionen Euro, nach nur 70 Millionen Euro vor einem Jahr. Einem Kahlschlag gleicht hingegen, was Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber als Präsident der UBS in Angriff nimmt: 10 000 Stellen werden gestrichen. Die Bank schrumpft, insbesondere dort, wo sie im Wettbewerb nicht mithalten kann – im Investmentbanking und im Anleihegeschäft. Die Schweizer haben stattdessen eine traditionsreiche Vermögensverwaltung mit stabilen Erträgen. Dem Wealth Management flossen in den drei vergangenen Monaten netto 7,7 Milliarden Franken (6,4 Milliarden Euro) neues Geld zu, nach 3,8 Milliarden vor einem Jahr. Die Deutsche Bank baut diesen Bereich gerade komplett um.

Ganz freiwillig entscheiden beide nicht. Verschärfte Regulierung, schrumpfende Renditen und das Wegbrechen ganzer Geschäftsfelder zwingen die Banker zum Handeln. „Für Jain und Fitschen ist die Strategie alternativlos“, sagte Merck- Finck-Bankenexperte Konrad Becker. Wer gewinnt, wer verliert? So einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Die Branche ist dabei, sich neu zu sortieren.

Die Deutsche Bank will dabei in die Lücken springen, die die Wettbewerber hinterlassen. Während also die UBS, ihr Schweizer Konkurrent Credit Suisse, die Citigroup oder die Commerzbank aus dem Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking weitgehend ausgestiegen sind oder dabei sind auszusteigen, greift die Deutsche Bank an. Allerdings nicht allein: Auch die großen US-Häuser JP Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America/Merrill Lynch sind – mit teils hohen Gewinnen – in dieser Richtung unterwegs, außerdem Barclays und HSBC. „Ich gehe fest davon aus, dass vor allem die größten Spieler von dem Rückzug profitieren können“, sagte Philipp Häßler, Bankenanalyst vom Investmenthaus Equinet. „Die Deutsche Bank fährt ganz klar eine offensive Strategie, die UBS eine defensive.“

Die Börse konnte sich am Dienstag nicht für einen Gewinner entscheiden: Deutsche-Bank-Aktien waren mit einem Plus von 3,7 Prozent Dax-Favorit, auch UBS-Papiere kletterten um 5,8 Prozent.

Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch hält hingegen die Strategie der Deutschen Bank für falsch – aus Sicht der Eigentümer und Aktionäre. „Die Expansion der Deutschen Bank ins globale Investment Banking seit 1999 hat bei Weitem nicht die Gewinne und Wertsteigerungen für die Aktionäre gebracht, die das Management versprochen hat“, schreibt Hein in einer Studie. Die Aktionäre hätten im Gegenteil netto Kapital zuschießen müssen und massiv an Vermögen verloren. Angesichts der künftig höheren regulatorischen Anforderungen im Investmentbanking, die zu höheren Kapital- und Finanzierungskosten führten, empfiehlt Hein: „Investmentbank schließen und reich werden.“ mit rtr

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