Wirtschaft : Wachsende Armut führt zu Schuldenghettos

In Berlin hat fast jeder sechste Zahlungsprobleme

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die wachsende Armut in Deutschland führt laut einer Studie zur Entstehung von Schuldenghettos. Wie der neue Schuldneratlas 2006 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt, steigt die Schuldnerquote vor allem in den Gebieten stark, wo es bisher schon große Probleme gibt. Insgesamt sind demnach derzeit 7,2 Millionen Deutsche überschuldet – mehr als jeder zehnte Erwachsene. Vor Jahresfrist waren dies noch 180 000 Personen weniger. Die Schuldnerquote stieg damit von 2005 auf 2006 von 10,43 auf 10,68 Prozent.

Besorgniserregend ist nach Ansicht von Creditreform neben der Ghettoisierung vor allem der steigende Anteil der jungen Menschen im Alter bis 30, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Fast ein Prozent der unter 20-Jährigen sind überschuldet, bei den Personen zwischen 20 und 30 sind es 8,5 Prozent.

Dabei zeigen sich nach Angaben von Creditreform zwei Grundmuster einer „Überschuldungskarriere“. Es trifft zum einen Menschen, die nur wenig verdienen oder arbeitslos sind und ihnen zustehende Sozialleistungen nicht in Anspruch nehmen. Daneben gibt es aber auch die so genannten Wohlstandsüberschuldeten: Sie laufen aktuellen Trends hinterher, geben extrem viel Geld für Lifestyle-Produkte aus und geraten trotz eigentlich auskömmlichen Einkommens bei allerdings fehlendem Finanzwissen in die Schuldenfalle. Generell ist nach Angaben von Creditreform vor allem Arbeitslosigkeit Auslöser für die finanziellen Probleme. Als überschuldet gilt, wer seine monatlichen Zahlungsverpflichtungen wie Miete, Nebenkosten, Versicherungen oder notwendige Einkäufe durch seine Einnahmen nicht decken kann und zudem weder Rücklagen in Form von Vermögen hat und auch keine Kredite in Anspruch nehmen kann.

In Berlin trifft das fast auf jeden sechsten Erwachsenen zu. Mit einer Schuldnerquote von 15,2 Prozent liegt die Hauptstadt am unteren Ende der Bundesländer. Nur in Bremen ist ein noch größerer Anteil der Einwohner verschuldet (15,3 Prozent). Die geringsten Schuldenprobleme gibt es nach wie vor in Bayern (7,7 Prozent) und Baden-Württemberg (8,1 Prozent).

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