Wachstum : Daimler auf dem Weg zum Rekordgewinn

Daimler-Chef Dieter Zetsche schraubt wegen der boomenden Autonachfrage die Erwartungen für 2011 nach oben und lässt in den Pkw-Werken im Sommer durcharbeiten.

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Exportschlager. Daimler verkauft seine Limousinen, Geländewagen und Lastwagen vor allem im Ausland. In Bremerhaven werden sie verschifft.
Exportschlager. Daimler verkauft seine Limousinen, Geländewagen und Lastwagen vor allem im Ausland. In Bremerhaven werden sie...Foto: dapd

Daimler-Chef Dieter Zetsche gab sich am Mittwoch selbstbewusst wie lange nicht: „Wir sehen wie alle die Risiken: Egal ob es die Schuldenkrise in den USA, die Euro-Krise oder Chinas Kampf gegen die Inflation ist“, sagte er in Stuttgart. „Aber unser Geschäft wächst gesund.“ Belege dafür präsentierte Zetsche in der Quartalsbilanz für die Monate April bis Juni. Daimler konnte zwar den Umsatz nur mäßig steigern – was die Börse zunächst verschnupft aufnahm –, beim Gewinn übertrifft sich der Auto- und Lkw-Hersteller aber selbst.

Vor allem Mercedes-Benz überraschte positiv. Ausgeliefert wurden im zweiten Quartal mit knapp 358 000 Pkw so viele Fahrzeuge wie noch nie in drei Monaten. Besonders gut verkauften sich die Geländewagen der M-, R- und GLK-Klasse und die Mittelklassewagen der C-Klasse.

Das Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen sprang um 23 Prozent auf den Höchstwert von 2,58 Milliarden Euro. Die Marke mit dem Stern operierte dabei mit einer Marge von 10,7 Prozent. Das ist mehr, als Zetsche sich für Mercedes langfristig vorgenommen hat – entspricht aber dem, was auch die Wettbewerber Audi und BMW zu bieten haben. Beide legen ihre Zahlen in den nächsten Tagen vor.

Dass vor allem Audi im Premiumsegment den Stuttgartern gefährlich nahekommt (Absatz im zweiten Quartal: 340 450 Autos), veranlasste Zetsche wohl zu dem Satz: „Wir fahren noch nicht im höchsten Gang, wir können noch mehr.“ Überholen lassen will er sich von der ambitionierten VW-Tochter auf keinen Fall. Daimler werde im zweiten Halbjahr ein Umsatzplus auf „deutlich“ mehr als 100 Milliarden und ein „sehr“ deutliches Plus beim operativen Gewinn einfahren, kündigte Zetsche an.

Analysten trauen Daimler ein Rekordjahr zu, haben aber Zweifel, ob die hohen Gewinnmargen dauerhaft zu halten sind. So will Zetsche bei Mercedes ab 2013 nachhaltig zehn Prozent erreichen. „Wir halten die Ziele angesichts branchenüblicher, wiederkehrender Krisen und Unternehmensschwächen dauerhaft für absolut nicht erreichbar“, erklärte Frank Schwope, Analyst bei der NordLB. Schließlich habe die durchschnittliche Umsatzrendite des Konzerns zwischen 2000 und 2010 bei lediglich 3,9 Prozent, die der Pkw-Sparte bei 4,6 Prozent gelegen. Gleichwohl sei Daimler „gegenwärtig gut unterwegs“. Frank Biller von der LBBW ist sich sicher, dass Daimler in diesem Jahr den Spitzenwert beim operativen Gewinn von 8,7 Milliarden Euro aus dem Rekordjahr 2007 toppen kann.

„Es ist wahrscheinlich, dass die gute Nachfrage anhält“, zerstreute Zetsche Bedenken. Auch die zuletzt etwas schwächere Nachfrage aus China macht ihn nicht nervös: „China ist unverändert die Wachstumslokomotive.“ Im Quartalsbericht warnte der Vorstand allerdings, die Wachstumsdynamik der Auto-Märkte schwäche sich in den Schwellenländern China und Indien „merklich“ ab.

Obwohl Daimler der weltgrößte Lkw- Hersteller ist, hat der Konzern in diesem Geschäft bei der Rentabilität (7,1 Prozent) Nachholbedarf. Der schärfste, aber kleinere Konkurrent Volvo erreicht 9,6 Prozent. „Wir werden die Lücke zu Volvo mit unserem neuen Schwer-Lkw und der neuen Motorenfamilie schließen“, sagte Daimler-Truck-Chef Andreas Renschler und verwies auf volle Auftragsbücher.

Die guten Geschäfte machen sich auch bei der Zahl der Mitarbeiter bemerkbar: 2011 soll sie weltweit um 10 000 auf rund 270 000 steigen. Aktuell arbeiten knapp 167 000 Beschäftigte in Deutschland. Personalchef bleibt Wilfried Porth. Sein Vertrag wurde bis 2017 verlängert. mit rtr

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