Wirtschaft : Wachstum der US-Wirtschaft geht ungebrochen weiter

WALTER PFAEFFLE

NEW YORK .Der Aufschwung der US-Konjunktur befindet sich im achten Jahr.Und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht.Der Zuwachs der Industrieproduktion um 1,6 Prozent im April gibt weiterhin Grund zu Optimismus.Hinzu kommt die steigende Nachfrage der privaten Haushalte.Der Beschäftigunganstieg um 234 000 im April bei einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent, anhaltende Preisstabilität und Vermögenszuwächse aufgrund steigender Aktienkurse geben den Amerikanern das Gefühl, sie leben in der besten aller möglichen Welten.Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent im ersten Quartal bleiben die USA auch die Stütze der gesamten Weltwirtschaft.

Das hat eine Kehrseite: Der Fehlbetrag im US-Außenhandel ist, wie Donnerstag mitgeteilt wurde, mit 19,7 Mrd.Dollar auf den bisher höchsten Wert gestiegen.Volkswirte hatten mit einer Verringerung des Defizits im Februar von 19,1 Mrd.Dollar auf 18,5 Mrd.Dollar gerechnet.Einen deutlich höheren Fehlbetrag verbuchten die USA im Handel mit Japan, auch mit Westeuropa nahm das Ungleichgewicht im Warenaustausch zu."Schaut man sich in der Welt um, wird klar, daß die USA die einzige führende Wirtschaft sind, die robustes, nachfrageinduziertes Wachstum vorweisen können, und das ist ungesund", sagte US-Finanzminister Robert Rubin.

Deshalb hat Washington Japan davor gewarnt, sich aus der tiefsten Rezession seit 50 Jahren herausexportieren zu wollen.In die Idylle schlug der am Freitag voriger Woche mitgeteilte Anstieg der Verbraucherpreise um 0,7 Prozent im April wie der Blitz ein.Es war der höchste Monatszuwachs seit fast acht Jahren.Hauptverantwortlich für den unerwartet starken Preisschub waren Energiekosten, die um 6,1 Prozent zugenommen haben.Doch selbst nach Ausklammerung der volatilen Energie- und Lebensmittelpreise blieb ein Plus der Kerninflationsrate von 0,4 Prozent übrig.Das war der höchste monatliche Anstieg in vier Jahren.Die Hauptauftriebskräfte waren Mieten, Bekleidung und medizinische Fürsorge.Inflation ist die Schattenseite des Booms.

Die Finanzmärkte sind sich dessen voll bewußt.Aus Furcht vor einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve (Fed) kam es am vergangenen Montag an den Renten- und Aktienmärkten zu starken Kursverlusten.Die Volatilität hielt die ganze Woche über an.Der Fed ließ zwar die Leitzinsen am Dienstag unverändert, warnte jedoch unter Hinweis auf den angespannten Arbeitsmarkt vor dem "Potential der Zunahme inflationärer Ungleichgewichte".Die Inflation könnte der Aktienhausse ein jähes Ende bereiten und den Amerikanern die Lust am Shopping verderben.Die Finanzmärkte beruhigten sich wieder.Andere Wirtschaftsdaten deuten an, daß Inflationssorgen momentan unbegründet sind.Der Lohnkostenanstieg war im April rückläufig, während die Kapazitäten der Industrie im April nur zu 80,6 Prozent ausgelastet waren.Zu Engpässen in der Produktion, die zu Preissteigerungen führen, kommt es gewöhnlich erst bei einer Auslastung von 85 Prozent.Was den Verbraucherpreisindex angeht, waren nur zwei Aspekte für die Hälfte des Anstiegs der Kerninflationsrate verantwortlich: Bekleidung (1,5 Prozent) und Tabak (3,6 Prozent).Zigarettenpreise sind mit einer Jahresrate von 33 Prozent gestiegen.Das hat jedoch wenig zu tun mit dem Inflationspotential, vor dem der Fed gewarnt hat.Grund für die Tabakpreise dürften eher Sondereffekte sein, wie die Entschädigungsfonds für Lungenkrebs-Opfer.Und Kleidungskosten lagen, trotz des jetzigen Anstiegs, immernoch im fünften Monat in Folge unter dem Vorjahresstand: Besserung ist hier also in Sicht.Klammert man Tabak und Kleidungsstücke aus, hat die Kerninflationsrate nur um 0,2 Prozent zugenommen.

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