Wachstum : Deutschland soll Europa mitziehen

Deutschland wird auch in diesem Jahr das stärkste Wachstum in der Euro-Zone verzeichnen. Die EU-Kommission erhöht ihre Wachstumsprognose für 2011 auf 2,4 Prozent.

Berlin/Brüssel - „Es wird erwartet, dass Deutschland den Aufschwung anführt“, sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag bei der Vorstellung der neuen EU-Konjunkturprognose in Brüssel. Während die Beamten für die Bundesrepublik ein um 2,4 Prozent höheres Wirtschaftswachstum veranschlagen, kommt die Euro-Zone demnach nur auf 1,6 Prozent.

Die Behörde hofft für 2011, dass der deutsche Aufschwung stärker als bislang andere Mitgliedsstaaten mitzieht. Es sei möglich, „dass das robuste Weltwirtschaftswachstum und die Ausstrahlungseffekte der Konjunkturbelebung in Deutschland auf andere Mitgliedstaaten stärker ausfallen könnten als derzeit erwartet“, schreiben die Experten. Sie rechnen damit, dass neben dem Export die Binnennachfrage im Laufe des Jahres anzieht.

Eine Eintrübung des Wachstums durch das teure Öl hält Rehn nicht für wahrscheinlich. Bei der derzeitigen Ölpreisprognose sei nicht davon auszugehen, dass die Wirtschaft in Europa in die Rezession zurückfalle. Jeder Anstieg des Ölpreises um zehn Prozent werde das Wachstum um 0,1 Prozentpunkte verringern.

Hans Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, sieht Deutschland derzeit als einen Gewinner der Euro-Schuldenkrise. „Die Anleger trauen sich nicht mehr raus und investieren ihr Geld im Inland“, sagte er. Dies bedeute eine Sonderkonjunktur im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Das deutsche Wachstum sei allerdings eher durch den Investitionsboom als durch die Exportstärke getragen. Der Außenhandelsüberschuss werde mittelfristig aber zurückgehen, erwartet der Ökonom. Angesichts steigender Einkommen werde die Bundesrepublik mehr Waren aus dem Ausland einführen, zudem würden die Löhne angesichts der Fachkräfteknappheit steigen. Dies beeinträchtige wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft. „Das ist aber kein Problem für uns“, befand Sinn.

Er wandte sich gegen einen Euro-Rettungsmechanismus, der die Lasten von finanziell angeschlagenen Euro-Staaten nun auf alle umverteile. Dann würden wieder wie zu Beginn des Jahrzehnts immense Geldsummen aus Deutschland in Länder wie Spanien fließen und dort einen künstlichen Boom auslösen – zum Nachteil der Bundesrepublik. brö/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar