Wirtschaft : Wachstum: Impulse erwartet

Die Steuerreform wird sich nach Einschätzung des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im zweiten Halbjahr erstmals positiv auswirken. Der Effekt durch die Steuerreform werde deutlich, wenn der Preisschub nachlasse, sagte am Montag der Leiter der Abteilung für Konjunkturforschung des Münchner Ifo Instituts, Willi Leibfritz. "Dann haben die Leute durch die Steuersenkungen mehr Geld übrig." Bislang seien diese Auswirkungen durch die gestiegenen Preise für Energie und Nahrungsmittel überkompensiert worden. Von gezielten Programmen zur Konjunkturförderung rät Leibfritz ab. "Wichtig ist jetzt, dass Bund, Länder und Gemeinden ihren Sparkurs angesichts der konjunkturbedingt geringeren Staatseinnahmen nicht verschärfen", sagte Leibfritz. Insgesamt rechnet das Ifo Institut in diesem Jahr mit einem Wachstum von 1,2 Prozent und hatte damit in der vergangenen Woche die negativste Prognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland abgegeben. In den nächsten Jahren erwartet Leibfritz weitere positive Auswirkungen durch die Steuerreform, da sich dann auch die Senkung der Körperschaftssteuern auf die Standortentscheidungen ausländischer Unternehmen auswirken werde. In die Wachstumsprognose von 2,2 Prozent für 2002 seien diese Überlegungen mit eingeflossen.

Die schwache Entwicklung der Konjunktur hat im Juni die Industrietätigkeit in der Euro-Zone belastet und dem Reuters-Einkaufsmanager-Index (EMI) den deutlichsten Rückgang seit zweieinhalb Jahren beschert. Eine vorläufige Besserung sehen Analysten nicht. Der Index sei auf 47,9 (Mai 48,5) Punkte gefallen, teilte die Forschungsgruppe NTC am Montag in London mit. Analysten zufolge sorgte vor allem die Entwicklung in Deutschland für die erneute Abwärtsbewegung im Euroraum. Trotz der anhaltend negativen Signale für die Konjunktur rechnen Experten nicht mit einem Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Der Euro pendelte sich am Montag wegen der schwachen Konjunkturdaten und wegen anhaltender Unsicherheit über die Zinspolitik bei Kursen um 0,8450 Dollar ein. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 0,8455 (Freitag: 0,8480) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,3132 (2,3064) Mark. Politiker hatten zuletzt wieder gefordert, dass die Zentralbank die Wirtschaft mit einer Senkung der Leitzinsen unterstützen solle.

0 Kommentare

Neuester Kommentar