Wachstum : Japan verscheucht die Krise

Die japanische Wirtschaft ist im Sommer überraschend kräftig gewachsen. Im Vergleich zum Frühjahrsquartal nahm das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum von Juli bis September um 1,2 Prozent zu, gab das Kabinettsamt in Tokio bekannt.

Tokio -Experten hatten zuvor allenfalls mit einem halb so starken Wachstum gerechnet. „Die Gefahr eines zweiten Durchhängers vor Mitte nächsten Jahres geht damit erheblich zurück“, sagt Ökonom Takuji Aida von der Großbank UBS.

Damit erholt sich Japan stärker als andere große Volkswirtschaften. Deutschland war im dritten Quartal auf 0,7 Prozet Zuwachs gekommen. Nachdem die Wirtschaft bereits im Vorquartal leicht angezogen hatte, zeichnet sich in Japan nun eine V-förmige Erholung ab. Ursache für die positive Entwicklung seien vor allem die hohen Staatsausgaben, sagte UBS-Mann Aida. Japan hatte sich mit über 600 Milliarden Euro eines der großzügigsten Anreizprogramme der Welt geleistet. Doch der Staat dürfe nun auch angesichts besserer Wachstumszahlen nicht nachlassen, lautet der Tenor.

Für Richard Koo, Chefökonom des Nomura-Forschungsinstituts, erinnert die Stimmung derzeit an die Situation Japans 1990, dem Jahr nach dem Ausbruch der dortigen Finanzkrise. „Die Leute vergaßen, dass sie sich mitten in einer Krise befanden und kritisierten bereits die Größe der Konjunktprogramme und die ausufernden Staatsschulden", sagte er. Die Öffentlichkeit habe vergessen, dass es gerade diese Ausgaben waren, die Schlimmeres verhindert haben. „Diese Kritik hat Japans Regierung gehindert, einen konstanten Strom an Konjunkturausgaben aufrecht zu erhalten." Das Ergebnis war ein Stop-and-Go der Staatsprogramme, durch die sich die Krise über fünfzehn Jahre hingezogen habe, sagte Koo.

Wie auf anderen Politikfeldern hat sich Japans seit September amtierende Regierung in der Konjunkturpolitik noch nicht für einen klaren Kurs entschieden. Im Wahlkampf hatte der jetzige Premier Yukio Hatoyama seine Vorgänger wegen zu hoher Staatsausgaben kritisiert. Er tut sich daher nun schwer damit, mit frischem Geld nachzulegen. fmk (HB)

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