Wachstum mit Risiken : IWF: Trump gefährdet die Weltwirtschaft

Um 3,5 Prozent wird die Wirtschaft 2017 weltweit wachsen, meint der Währungsfonds. Er warnt aber vor Protektionismus und dem deutschen Exportüberschuss.

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Von Deutschland in die Welt. Kritiker sehen es nicht gerne, dass Deutschland so viel mehr Waren exportiert, als es importiert.
Von Deutschland in die Welt. Kritiker sehen es nicht gerne, dass Deutschland so viel mehr Waren exportiert, als es importiert.Foto: dpa

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington machen sich Sorgen. Zwar wächst die Wirtschaft weltweit deutlich – in diesem Jahr ihren Prognosen zufolge um 3,5 Prozent. Allerdings gefährdet der wachsende Protektionismus dieses Wachstum. „Die Selbstbezogenheit der Politik vielerorts bedroht die weltweite wirtschaftliche Integration“, schreibt der IWF in seinem am Dienstag veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick. Die Kritik dürfte vor allem gegen US-Präsident Donald Trump gerichtet sein – auch wenn sein Name in dem Bericht nicht explizit auftaucht. Trump hat wiederholt für mehr Abschottung der US-Wirtschaft plädiert.

Auch der starke Dollar kann ein Risiko werden

Seine Politik ist allerdings längst nicht das einzige Risiko. Auch ein zu schneller Zinsanstieg in den USA ist nach Ansicht der IWF-Experten eine Gefahr – und zwar nicht nur für die US-Wirtschaft. Denn steigen die Zinsen in den USA, treibt das den Dollar-Kurs in die Höhe. Das trifft dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer, die vom Dollar abhängig sind. Chefvolkswirt Maurice Obstfeld warnt daher davor, die Finanzkrise bereits als erledigt abzuhaken: „Auch wenn die Weltwirtschaft etwas Fahrt aufnehmen sollte, können wir uns nicht sicher sein, dass wir das Gröbste hinter uns haben.“

Trotz dieser Risiken ist der IWF optimistisch, was die weitere wirtschaftliche Entwicklung angeht. Das gilt auch für Deutschland. Um 1,6 Prozent dürfte die hiesige Wirtschaft in diesem Jahr wachsen, meinen die IWF-Experten. Ihre Prognose fällt leicht günstiger aus als die der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, die 1,5 Prozent erwarten.

Die Franzosen kritisieren den deutschen Exportüberschuss

Doch so gut der Ausblick für die deutsche Wirtschaft ist, so gibt es doch auch erneut Kritik am deutschen Wachstum. Konkret am Exportüberschuss. Diesmal ist es der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron, der Deutschland vorwirft, auf Kosten anderer zu wachsen. Macron hatte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt, Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“. Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Euro-Zone. „Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden“, sagte Macron, ohne konkreter zu werden. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde sieht den hohen Exportüberschuss Deutschlands kritisch. Die Wirtschaft weist die Kritik zurück. „Der Exportüberschuss ist vor allem ein Beleg für die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen“, sagte der Vize- Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks.

Schäuble weist die Kritik zurück

Auch beim Treffen der G-20-Finanzminister während der Frühjahrstagung des IWF am Wochenende in Washington dürften Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Beamten mit der Kritik am deutschen Exportüberschuss konfrontiert werden. Im Finanzministerium sieht man sich allerdings gut gerüstet mit Argumenten. Schließlich profitiert längst nicht nur Deutschland vom niedrigen Euro-Kurs, sondern die gesamte Euro-Zone. Speziell die deutschen Überschüsse sind nach Ansicht von Schäubles Ressort zudem gar nicht so sehr das Ergebnis der relativen Euro-Schwäche, sondern schlicht das Ergebnis von Marktentscheidungen. Dass das US-Finanzministerium Deutschland keine Währungsmanipulation vorwirft, hat man an der Berliner Wilhelmstraße aufmerksam registriert. Ebenso die Position des US-Finanzministeriums, dass der Euro-Kurs auch mit wirtschaftlichen Problemen in den Ländern Südeuropas zu tun habe – Wasser auf die Mühlen von Schäuble, der den Euro-Partnern im Süden mehr Reformeifer empfiehlt, um die Wirtschaft flott zu bekommen.

Weitere Investitionen hält das Finanzministerium für unnötig

Im Übrigen hat man, wie von Kritikern wie Lagarde gefordert, Binneninvestitionen verstärkt und liegt jetzt über dem EU-Schnitt. Zusätzliche „Stimuli“ hält man im Finanzministerium daher – und auch wegen der besseren Wachstumsaussichten – für unnötig. Ohnehin sehen die Verantwortlichen im deutschen Finanzministerium die Risiken für die Weltwirtschaft nicht so sehr in Handelsbilanzunterschieden oder Währungskursen. Sie fürchten eher, dass die globale Arbeitsteilung, die als Wachstumstreiberin gilt, in Verruf gerät – auch angesichts der Stärke populistischer Kräfte in westlichen Ländern. Protektionismus bringe Nachteile für alle, heißt es im Finanzministerium, und darüber wolle man vor allem mit der US-Regierung sprechen.

Den IWF sieht man dabei als Partner – auch beim zweiten „Sorgenthema“, das die Schäuble-Reisegruppe umtreibt: die skeptische Haltung in Washington gegenüber multilateralen Institutionen. Doch besteht Hoffnung, dass auch hier ein Lernprozess einsetzt, wenn die Trump-Regierung die Praxis besser kennt. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass es in Washington eine Erklärung geben wird, die über das Kommuniqué des Finanzministertreffens in Baden-Baden im Februar hinaus geht. Damals war ein klares Bekenntnis für freien Handel an der US-Regierung gescheitert. mit dpa/rtr

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