Wirtschaft : Wachstum mit weniger Energieverbrauch

Esso: Reduzierung der CO2-Emissionen schwächer als geplant / Kernenergie verliert Bedeutung

(wei).Der Energieverbrauch in Deutschland wird nach der jüngsten Prognose der Esso AG weiter sinken.Obwohl die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahr 2023 um etwa zwei Drittel höher sei als heute, werde die Bundesrepublik mit 6,5 Prozent weniger Primärenergie auskommen, sagte der Direktor von Esso, Rudolf B.Eich, dazu in Bonn.Deutschland wird nach der Prognose das Ziel der Bundesregierung verfehlen, den Ausstoß an Kohlendioxid bis 2005 um ein Viertel zu reduzieren.Nach der Schätzung von Esso wird zu diesem Zeitpunkt 13 Prozent weniger CO2 ausgestoßen als 1990.Zur Begründung verweist Eich auf die abnehmende Bedeutung der Kernenergie.Man müsse davon ausgehen, daß die laufenden Atomkraftwerke nach etwa 40 Jahren Betriebszeit vom Netz genommen und nicht ersetzt werden.Die AKW-Kapazität würde dadurch von 24 auf 15 Gigawatt, der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung von 29 auf 17 Prozent zurückgehen.Mit Blick auf den Ersatz geht Eich davon aus, daß die Industrie zu 60 Prozent auf Gas und zu 40 Prozent auf Steinkohle zurückgreift.Die CO2-Emissionen der Kraftwerke werden dadurch in 23 Jahren um zehn Prozent steigen, so daß der Rückgang des Energieverbrauchs nur teilweise auf den gesamten CO2-Ausstoß durchschlägt, der im gleichen Zeitraum um 5,5 Prozent sinkt.Das Dilemma könne nicht durch zusätzliche Sparmaßnahmen oder den Einsatz regenerativer Energien aufgelöst werden. In allen Sektoren geht Esso ohnehin von einer deutlich steigenden "Energieeffizienz" aus.Im Kraftwerkssektor sei das Einsparpotential wegen der hohen Nutzungsdauer der Anlagen am geringsten.In der Industrie und den privaten Haushalten könne die Energieeffizienz um 1,7 Prozent jährlich steigen, im Straßenverkehr um 1,5 bis zwei Prozent.Zur Begründung verweist Eich auf die Selbstverpflichtung der Autoindustrie und die Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses.Man könne davon ausgehen, daß 3- bis 4-Liter-Autos in 20 Jahren ebenso zum Standard gehörten wie ein stauvermeidendes Verkehrsmanagement.Entlastend auf den Verkehr werde sich auch der Rückgang der Bevölkerungszahl auswirken.Insgesamt wird der Mineralölverbrauch von 136 auf 109 Mill.Tonnen zurückgehen.Es bleibt aber mit einem Anteil von gut einem Drittel der wichtigste Energieträger. Größter Gewinner wäre nach der Esso-Prognose das Erdgas, das im Jahr 2020 mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Energiebedarfs deckt.Die Kohle kann ihren Platz im deutschen Energiemix mit einem weiteren Viertel behaupten.Allerdings wird die heimische Steinkohle zunehmend durch Importe ersetzt.Von den gut 70 Mill.Tonnen werden 2020 nur noch 15 Mill.Tonnen an Ruhr und Saar gefördert, gegenwärtig sind es fast 50 Mill.Tonnen.Dagegen bleibt die Bedeutung der heimischen Braunkohle unberührt.Einen wachsenden Marktanteil können sich die erneuerbaren Energien vor allem nach 2010 sichern.Zuwächse erwarten die Esso-Volkswirte zunächst vor allem bei der Biomasse und der Müllverwertung.Insgesamt wird ihr Anteil auf mehr als vier Prozent steigen.Der Stromverbrauch wird nach der Esso-Prognose in Zukunft langsamer steigen als in der Vergangenheit.Von der Liberalisierung des Strommarktes erwartet man in Hamburg keine deutlichen Preissenkungen und damit auch keine zusätzlichen Impulse für den Stromverbrauch.Allerdings sind höhere Stromimporte möglich.Vorstöße auf den deutschen Markt könnten aus Frankreich, Skandinavien, möglicherweise aber auch aus Osteuropa kommen.Die Prognose geht davon aus, daß es nicht zu schwerwiegenden Eingriffen der Politik in die Energiemärkte kommt.Zwar habe man unterstellt, daß die Minerölsteuer etwas schneller steigt als die Preise, sagte Eich.Er rechne aber nicht mit der Einführung einer CO2-Steuer oder einer Öko-Steuerreform.Die Weltenergiepreise werden nach dem Jahr 2000 wieder leicht ansteigen.Esso begründet den Trendwechsel vor allem damit, daß die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder immer teurer wird.Der wachsende Bedarf könne nur vor den Küsten befriedigt werden, wo die Förderung wesentlich teurer sei als an Land.

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