Wachstum und Arbeit : Der Aufschwung trägt

Die deutsche Wirtschaft nach der Krise: Investitionen und Konsum springen an – der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schwärmt.

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Viel zu tun. Ein großer Teil der Konjunkturpakete ist noch nicht abgearbeitet, weiß der DIHK. Davon profitiert vor allem der Bau.
Viel zu tun. Ein großer Teil der Konjunkturpakete ist noch nicht abgearbeitet, weiß der DIHK. Davon profitiert vor allem der Bau.Foto: dpa

BerlinOptimismus ist in der deutschen Wirtschaft inzwischen weit verbreitet. Kein Verband oder Forschungsinstitut blickt aber so zuversichtlich in die Zukunft wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Der Aufschwung wird selbsttragend“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Mittwoch in Berlin. In allen Wirtschaftszweigen werde die Geschäftslage mittlerweile „auf dem Niveau konjunktureller Hochphasen“ beurteilt.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei schon 2011 überwunden. Dann wachse die deutsche Wirtschaft um 2,4 Prozent und erreiche das Vorkrisenniveau. Im laufenden Jahr liege das Wirtschaftswachstum bei 3,4 Prozent. Die Abschwächung 2011 sei kein Einbruch, „sondern die granatenmäßige Fortsetzung der Konjunktur“, sagte Wansleben. „Das wäre immerhin ein doppelt so starkes Wachstum wie im Durchschnitt der letzten 20 Jahre.“

Auch die Bundesregierung lässt sich vom Optimismus in der Wirtschaft anstecken. Die Schätzung für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr wird nach dpa-Informationen von 1,4 auf 3,4 Prozent angehoben. Für 2011 wird die Prognose von 1,6 auf 1,8 Prozent erhöht. Offiziell legt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Herbstprognose an diesem Donnerstag in Berlin vor.

„Der angesprungene Investitions-, Beschäftigungs- und Konsumzyklus trägt für mehrere Quartale“, sagte Wansleben, der die Ergebnisse der DIHK-Herbstumfrage unter 28 000 Unternehmen vorstellte. Besonders erfreulich: Der Aufschwung kommt auf dem Arbeitsmarkt an und er macht sich beim privaten Konsum bemerkbar. Der DIHK erwartet für 2011 im Schnitt 2,9 Millionen Arbeitslose – nach 3,2 Millionen in diesem Jahr. „Für das Jahr 2011 rechnen wir mit 300 000 zusätzlichen Beschäftigten“, sagte Wansleben.

Laut Umfrage erwartet jedes dritte Unternehmen (33 Prozent), dass sich seine wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten verbessert. Betriebe in den Bereichen Metallerzeugung, Elektrotechnik, Computertechnik, Handel und Maschinenbau suchen neue Mitarbeiter. „Der stärkste Beschäftigungsimpuls kommt von mittelständischen Unternehmen, die 20 bis 1000 Beschäftigte haben“, sagte Wansleben. Gute Geschäfte melden Hotels, Gaststätten und Reiseveranstalter. Der Einzelhandel sei so zufrieden wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch der Bau melde Spitzenwerte. Dieser Trend halte an, weil große Teile des staatlichen Konjunkturpakets noch nicht abgearbeitet seien. Das künftige Auslaufen der Programme sei in den Umfrageergebnissen schon verarbeitet – umso erstaunlicher sei, dass zum Beispiel die Bauwirtschaft optimistisch in die Zukunft blicke. Das zur Haushaltskonsolidierung beschlossene Sparpaket der Bundesregierung sei im übrigen trotz der konjunkturellen Mehreinnahmen richtig.

Als größtes Risiko wird in der Industrie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise betrachtet. Auch die Wechselkurse, vor allem die Euro-Dollar-Relation, machen den Unternehmen zu schaffen. „Kostet der Euro 1,50 Dollar, wird die Luft dünner“, sagte DIHK-Volkswirt Volker Treier. Mit dem aktuellen Niveau kämen die Unternehmen aber gut zurecht. Risiken für den Aufschwung seien im Ausland erkennbar, sagte Wansleben: „Der Industrie macht Sorge, dass die Konjunktur in den USA, in Japan und in Teilen Europas bisher kaum in Gang gekommen ist.“

Entschieden wies Wansleben die Forderung der Gewerkschaften zurück, die Beschäftigten mit höheren Löhnen am Aufschwung teilhaben zu lassen. „Es ist ja nicht so, dass wir in Deutschland verarmen“, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Die moderate Lohnentwicklung in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren müsse sich „auch in den kommenden zehn Jahren“ fortsetzen. „Die Unternehmen brauchen hohe Gewinne, um investieren zu können“, sagte Wansleben. „Man kann das Geld nur einmal ausgeben.“

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