Wachstumsmarkt : Berliner Gesundheitsfirmen tun sich schwer in China

Deutsche Medizintechnik ist in China beliebt - die Eintrittshürden sind aber hoch. Umgekehrt kommen die Chinesen mit Know-how zu uns.

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Der chinesische Markt ist für deutsche Anbieter von Medizintechnik nicht leicht zu erobern.
Der chinesische Markt ist für deutsche Anbieter von Medizintechnik nicht leicht zu erobern.Foto: dpa

Wenn Berlin auf Peking trifft, sind es noch immer zwei Welten. „Wir reden über dieselben Probleme“, betonte Paul Unschuld am Dienstag deshalb die Gemeinsamkeiten beim deutsch-chinesischen Gesundheitsdialog der Berliner Wirtschaftsgespräche. Sowohl in Europa als auch in China blicke man auf zwei Jahrtausende Wissenschafts- und eben auch Medizingeschichte zurück, sagte der Chinaexperte und Medizinhistoriker der Charité. Beide Kulturen haben eine stark alternde Bevölkerung, in der Zivilisationskrankheiten – Krebs, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen – zu den häufigsten Todesursachen zählen.

Eigentlich müsste der chinesische Markt für Berlin, das sich selbst als Gesundheitsstadt mit einem dichten Netz aus Forschung und Wirtschaft versteht, von großem Interesse sein: Unter den gut 1,3 Milliarden Chinesen gibt es allein 300 Millionen Raucher, 425 Millionen Übergewichtige und 170 Millionen, die älter als 60 Jahre sind. Seit 1990 haben sich die chinesischen Gesundheitsausgaben um mehr als das Zwanzigfache erhöht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt stiegen sie um einen Punkt auf knapp fünf Prozent.

Doch der chinesische Gesundheitsmarkt ist für Berliner Unternehmen nur schwer zu erschließen. „Es sind vor allem die großen Pharmaunternehmen, die es nach China drängt“, sagte Uwe Bindseil von der Berliner Technologiestiftung. Bayer beispielsweise sei seit Jahren in China hauptsächlich mit Forschung aktiv, um sich einen Teil vom riesigen Markt zu reservieren. „Aus Berlin sind es vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, die dort hinwollen, vornehmlich aus dem Diagnostikbereich“, sagte Bindseil.

Insgesamt sei das Engagement jedoch überschaubar, was nicht zuletzt an den Eintrittshürden in China liege. Es gebe keinen einheitlichen Markt – Regelungen und Genehmigungen unterscheiden sich je nach Provinz, was es Unternehmen mit begrenzten finanziellen Mitteln erschwert, landesweit Fuß zu fassen. Hinzu komme die Sorge der Unternehmen, dass ihre Produkte durch chinesische Konkurrenten kopiert und weiterentwickelt werden könnten. Neben diesen Hürden, mit denen ausländische Unternehmen aus allen Branchen zu kämpfen haben, kommt im Gesundheitsbereich noch eine hinzu. „Es existiert kein freier Krankenhausmarkt“, sagte Bindseil. Dieser sei vielmehr politisch gelenkt. Für Berliner Firmen blieben die USA, Russland und die arabische Welt die wichtigen Märkte.

Dennoch beziehen die Chinesen viel deutsche Medizintechnik. Bei den Brancheneinfuhren belegt Deutschland den zweiten Platz nach den USA. Und auch in umgekehrter Richtung funktioniert das Geschäft zunehmend besser. „Das Interesse der Chinesen am deutschen Markt wächst“, sagte Sandra Bütow von Germany Trade & Invest, einer Art Unternehmensberatung der Bundesregierung. Zum Teil entstünden hierzulande Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern, die bei weitem nicht nur Einmalspritzen produzierten. „Die Medizintechnik, mit der die Chinesen zu uns kommen, ist nicht Low-Tech.“ Zumindest insofern nähern sich beide Welten an.

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