• Wachstumswerte werden ihrem Namen gerecht: Trotz der Flaute im Herbst klettern die Kurse um über 50 Prozent

Wirtschaft : Wachstumswerte werden ihrem Namen gerecht: Trotz der Flaute im Herbst klettern die Kurse um über 50 Prozent

Henrik Mortsiefer

Der Neue Markt feiert das Jahr 1999 als den bisher besten "Emissionsjahrgang" seiner Geschichte. Der vor knapp zwei Jahren gegründete Börsenplatz für innovative Unternehmen aus Wachstumsbranchen weckte im zu Ende gehenden Börsenjahr wie nie zuvor das Interesse der Anleger. Aber auch die Unternehmen selbst wurden vom Börsenfieber erfasst: 1999 ließen sich rund 130 Firmen auf dem Kurszettel des Neuen Marktes notieren, allein im Rekordmonat November waren es 21. Insgesamt 200 Werte zählt das Segment heute.

Auf der Suche nach Wagniskapital wurden die jungen Unternehmen auf dem Frankfurter Börsenparkett fündig. Einzelne Werte fanden dabei reißenden Absatz beim Publikum, mit gewaltigen Kurssprüngen gingen viele neue Aktien in den Handel. So verbuchten - bezogen auf die Erstnotiz - die Aktien der MWG Biotech ein Plus von über 380 Prozent, die neuen Papiere des weltweit führenden Anlagenbauers für bespielbare CDs, Steag Hamatech, legten um fast 350 Prozent zu, der Berliner Multimedia-Spezialist Pixelpark erreichte nach der Börsenpremiere mit seinen Aktie ein Plus von über 280 Prozent.

Die Ernüchterung kam für machen High-Flyer erst im zweiten Halbjahr: Die Liste der Flops wurde länger, der Markt immer voller. Analysten zeigten sich erstmals besorgt, die Flut von Neuemissionen könne den Neuen Markt überfordern und die Kurse auf breiter Front ins Rutschen bringen. Ein kleiner Crash Ende Oktober drückte den Nemax-50, den am 1. Juli 1999 eingeführten Index der 50 größten Werte am Neuen Markt, auf ein Jahrestief. Anlegern wurde drastisch vor Augen geführt, dass Gerüchte und Negativ-Schlagzeilen die Euphorie über schnelle Kursgewinne schnell in tiefe Depression verwandeln können. Dabei hängt der selbstbewusste deutsche Markt immer noch zu weiten Teilen von der Stimmung der US-Technologie-Börse Nasdaq ab. Purzeln dort die Technologie- und High-Tech-Kurse, schwappt die Verkaufswelle meist auch auf den Neuen Markt in Frankfurt.

Besonders hart traf es 1999 die Neulige Artnet.com (minus 80 Prozent), Wizcom (minus 67 Prozent) und Netlife (minus 66 Prozent). In einer Bilanz des Börsenjahres rechnet die DG Bank aus, wie stark die Nerven der Anleger bei einzelnen Werten strapaziert wurden: Die Spanne zwischen Kursgewinnen und -verlusten reichte von plus 361 Prozent bis minus 13 Prozent. Im Vergleich: Im Amtlichen Handel bewegte sich die Bandbreite zwischen plus 83 Prozent und minus fünf Prozent.

Stärkste Branche blieb nach der Übersicht der Frankfurter Banker die Informationstechnologie (113 Unternehmen) mit den Segmenten Software (27), Hardware (22), Dienstleistungen (36) und Internet (28). Die Telekommunikation verlor relativ an Bedeutung, zum Favoriten der Anleger mauserten sich 1999 Medien-Aktien. Gemessen an der Marktkapitalisierung des Neuen Marktes, die 1999 nach Angaben der Deutschen Börse AG auf fast 200 Milliarden Mark stieg, machten Informations- und Kommunikationswerte rund 50 Prozent aus.

Technolgie-Analysten wie Heinz Steffen von der Commerzbank rechnen auch im Jahr 2000 mit starkem Zulauf aus den High-Tech-Branchen. "Software, Netzwerke, Speicher, Dienstleistungen sind die Schlüsseltechnologien der Zukunft", so Steffen. Die Deutsche Bank stimmt in ihrem Ausblick in das neue Jahr ein: "Ähnlich wie in den USA geht auch in Europa ohne die Technologiewerte nichts", heißt es in einer Prognose. "Auch im nächsten Jahr wird High-Tech, insbesondere die stark wachsende Informationstechnologie, wieder zu den Favoriten zählen."

Anleger hoffen, bei der Auswahl der Aktien richtig zu liegen. Jedenfalls nicht falsch lag im zurückliegenden Jahr 1999, wer auf die 50 Schwergewichte des Neuen Marktes gesetzt hat, die fast 80 Prozent der Marktkapitalisierung abdecken. Bis zum Weihnachtsfest konnten sich die Nemax-50-Anleger über einen stolzen Kursgewinn von 50 Prozent freuen.

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