Wirtschaft : Wacht am Main

Trotz Euro-Krise: Das neue Gebäude der EZB wächst rasant in den Frankfurter Himmel.

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Kunst vorm Bau. Der Schutzzaun, der die Baustelle der neuen EZB-Zentrale umgibt, erinnert ein wenig an die Berliner Mauer – jedenfalls aus künstlerischer Sicht scheint er ähnlich attraktiv zu sein. Foto: dpa
Kunst vorm Bau. Der Schutzzaun, der die Baustelle der neuen EZB-Zentrale umgibt, erinnert ein wenig an die Berliner Mauer –...Foto: dpa

Frankfurt am Main - Für ein paar Tage im Juni war die Baustelle der neuen EZB-Zentrale ganz in griechischer Hand. Oben auf den Türmen flatterte vor einigen Wochen eine blau-weiße Hellenen-Fahne. Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) vermutete als Urheber einen griechischen Bauarbeiter, der damit sein Team bei der Fußball-Euromeisterschaft unterstützen wollte. Es könnte aber auch einfach ein Signal gewesen sein: für den Verbleib des Landes in der Euro-Zone. Schließlich wehte die Fahne in gut 160 Meter Höhe. Die Zentrale wächst ungeachtet der Euro-Schuldenkrise und der Debatte über ein mögliches Ausscheiden Griechenlands oder gar den Zerfall des Euro rasant in die Höhe. Noch in diesem Jahr, sagt das zuständige EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, werde auf jeden Fall die volle Höhe der beiden Doppeltürme von 185 Metern erreicht. Für September jedenfalls ist das Richtfest geplant.

Die beiden Türme stemmen sich quasi trotzig gegen die Krise der Euro-Zone und fungieren in diesen schwierigen Wochen und Monaten als Symbol für eine vermeintlich rosige Zukunft des Währungsverbundes. In der EZB jedenfalls gibt es keinerlei Zweifel, dass die ersten Mitarbeiter 2013 vom Eurotower in den neuen Sitz der Zentralbank umziehen werden. Und ab Ende 2014 sollen dann alle der rund 1600 Beschäftigten, die derzeit auf drei Standorte verteilt sind, unter dem neuen gemeinsamen Dach der Euro-Zentrale im Osten der Bankenstadt Frankfurt arbeiten.

Schon jetzt – rund zwei Jahre nach der Grundsteinlegung durch den damaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet – sind die beiden schlanken Hochhäuser weit oberhalb der 150-Meter-Marke angelangt und zu einem Teil der berühmten Skyline geworden. Sowohl im Nord- als auch im Südturm fehlen nur noch wenige Stockwerke. Das neue Gebäude steht gut zwei Kilometer entfernt vom eigentlichen Bankenviertel und vom heutigen Eurotower am Willy-Brandt-Platz. Die Euro-Banker werden die Geldhäuser, denen sie das Geld leihen und die sie auch zum Teil überwachen sollen, aus sicherer, aber nicht zu großer Entfernung im Blick haben. Der vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfene Bau ist das erste Hochhaus in einem bis vor Jahren eher vernachlässigten Stadtteil der Bankenmetropole.

Noch bis Juni 2004 wurden hier in einer 220 Meter langen, 50 Meter breiten und 23 Meter hohen Großmarkthalle Gemüse und Obst verkauft. 1999 bereits hat die EZB das Gelände gekauft einschließlich der in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts errichteten, inzwischen denkmalgeschützten Halle. Sie wird saniert und durch einen Querriegel geteilt, der das neue Eingangsgebäude mit den beiden Türmen verbinden wird.

Längst haben die rund 600 Bauarbeiter das Betonskelett der beiden Hochhäuser bis in rund 90 Meter Höhe mit den grünlich schimmernden Glaselementen versehen, die aus drei Schichten bestehen und besonders energieeffizient sein sollen. Die beiden schlanken, in sich leicht verdrehten Gebäude sind bereits durch etliche der insgesamt 14 vorgesehenen Atriumstreben miteinander verbunden. Über vier Umsteigeplattformen werden Mitarbeiter und Besucher in den jeweils anderen Turm gelangen können. Die Büros werden sich am Ende über 45 Etagen im 185 Meter hohen Nordturm und 43 Stockwerke im 165 Meter hohen Südturm auf einer Bruttofläche von rund 110 000 Quadratmetern erstrecken. Ganz oben, im großen Konferenzsaal des Südturms, soll künftig der Rat der EZB über die künftige Geldpolitik in der Euro-Zone beraten.

An der Großmarkthalle ist die Fassade bereits komplett verglast, die Tiefgarage ist fertig. Und längst hat der technische Ausbau des riesigen Gebäudekomplexes begonnen, in dem allein 2500 Kilometer Datenkabel verlegt werden. Nur der Innenausbau der Halle, in der neben einem Empfangs- und Konferenzbereich Restaurant und Cafeteria Platz finden, läuft etwas langsamer als erwartet. „Die Sanierung gestaltet sich zum Teil komplexer und schwieriger als ursprünglich angenommen“, sagt Asmussen.

Eine halbe Milliarde Euro soll die neue Zentrale am Ende kosten. Gemessen an den Summen, mit denen die Euro-Zone und letztlich die Gemeinschaftswährung gerettet werden sollen, ist das ein echtes Schnäppchen.

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