Währung : Ein Nothelfer für Griechenland

Was sind die Gründe für die derzeitige Euro-Schwäche? Ist es das Horrorszenario eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone? Tatsächlich ist die Lage in Griechenland – wie auch in Portugal oder Spanien – alles andere als ungefährlich für die Euro- Zone.

Frankfurt am Main - Doch auch anderswo werden Schulden gemacht. Und im Vergleich zu Japan und den USA sieht die Euro-Zone – wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gerade ausführte – auch mit der „griechischen Tragödie“ gar nicht so schlecht aus. Dennoch strafen die Märkte den Euro ab. Die Gemeinschaftswährung verlor drei Cents in drei Tagen und notiert inzwischen unter 1,37 Dollar.

„Theoretisch ist ein Auseinanderbrechen (der Euro-Zone) möglich, denn anders als bei den USA oder Japan handelt es sich ja um einen Bund souveräner Staaten“, erklärte ein Börsianer. Die Wirtschaftskraft Griechenlands ist zwar vernachlässigenswert, doch wäre die Zahlungsunfähigkeit keine Lappalie.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat ausgerechnet, dass Griechenland Wertpapiere für 290 Milliarden Euro ausstehen hat, deutlich mehr als die 140 Milliarden Dollar von Lehman Brothers im Herbst 2008. „Zwei Drittel der seit 2005 emittierten Anleihen hat das griechische Finanzministerium im Ausland abgesetzt, vor allem in den Staaten der EU.“ Viele Politiker dürften Angst davor haben, dass ein Zahlungsausfall Griechenlands eine Kettenreaktion auslöst und die Währungsunion destabilisiert. Im eigenen Interesse sollte Europa also den Griechen helfen, empfiehlt Krämer. Die Analysten der UBS sehen das ähnlich.

Politisch wäre eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wegen der Ansteckungsgefahr extrem gefährlich. Die EU werde daher alles tun, um in naher Zukunft ein solches Szenario zu verhindern. Viele Börsianer stimmen der Einschätzung zu, egal wie häufig Vertreter der EU oder der EZB gebetsmühlenartig erklären, Griechenland müsse sich selbst helfen. Dennoch scheinen viele Anleger nicht auf eine spektakuläre Rettung Griechenlands durch die EU-Staaten zu setzen. Denn sonst stünde der Euro sicher höher im Kurs. Es sieht vielmehr so aus, als rechneten die Märkte mit einer weniger spektakulären Hilfe, die ausgerechnet von der politisch unabhängigen EZB kommen sollte.

Die EZB könnte nämlich die Not lindern, indem sie noch nicht ihre Krisenhilfen komplett einstellt. Am Donnerstag hatte Trichet angekündigt, im März Einzelheiten für eine Abschöpfung der überschüssigen Gelder bekannt zu geben. Zwar dürfte die EZB behutsam vorgehen, doch reagierten einige Anleger entsetzt: Denn sollte die EZB die Geldbeschaffung für Banken wie geplant normalisieren, könnte dies für Griechenland und andere Sorgenkinder die Lage erschweren.

Der nachgebende Euro spricht dafür, dass viele Anleger derzeit ein längeres Festhalten der EZB an der lockeren Geldpolitik für möglich halten als bisher. Sie preisen damit einen Zinsvorteil für den Euro wieder aus, von dem die Gemeinschaftswährung seit Frühjahr 2009 profitiert hatte. Denn in den USA liegt der Leitzins nahe null Prozent; in der Euro-Zone ist er mit einem Prozent vergleichsweise hoch. Sollte der US-Arbeitsmarkt wie von vielen erhofft in diesem Frühjahr einen Aufschwung signalisieren, könnte die Fed doch als Erste zur Normalität zurückkehren und die Zinsen erhöhen. Für den Euro könnte es dann erst mal noch weiter nach unten gehen.rtr

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