Währung : US-Politiker wollen die Ein-Dollar-Note abschaffen

In Kanada und in der Euro-Zone wird bis zwei Dollar oder Euro mit Münzen bezahlt, in der Schweiz ist selbst der Fünfer noch eine Münze. In den USA könnte die Ein-Dollar-Note nun abgeschafft werden. Das stößt auf Kritik.

Lars Halter
Immer doller: Erst sollte der Penny aus dem Verkehr gezogen werden, jetzt geht es um den kleinen Schein. Die Ein-Dollar-Note zeigt den ersten amerikanischen Präsidenten George Washington.
Immer doller: Erst sollte der Penny aus dem Verkehr gezogen werden, jetzt geht es um den kleinen Schein. Die Ein-Dollar-Note zeigt...Foto: Reuters

Es geht um Geld, und dem Geld geht es an den Kragen. In regelmäßigen Abständen beschäftigt sich Washington nicht mit den großen monetären Themen wie dem Haushaltsdefizit und der Staatsverschuldung, sondern mit pekuniärem Kleinkram. Dazu zählt die Frage, wie im Land der unbegrenzten Konsum-Möglichkeiten künftig gezahlt werden soll: mit oder ohne „Penny“, mit einem Dollar-Schein oder einer Dollar-Münze.

Der Penny ist schon seit längerem bedroht. Die hohen Rohstoffpreise haben die Kosten für die kleine Münze über deren Nennwert getrieben. Politiker fordern daher, den Kleinkram abzustellen und auf gerade Beträge zu runden. Trotz aller Diskussionen ist man in der Sache nie weit gekommen, obwohl das Ende der Kupfermünze durchaus Sinn machen und dem Andenken Abraham Lincolns wohl kein allzu großer Schaden entstehen würde – dessen Konterfei findet sich zwar auf dem Penny, doch wesentlich spektakulärer auch auf dem Mount Rushmore und unzähligen anderen Denkmälern in den ganzen Vereinigten Staaten.

Jetzt lässt man „honest Abe“ erst einmal in Frieden ruhen, dafür geht es George Washington an den Kragen. Dessen Bildnis ziert den klassischen „Greenback“, die Dollar-Note. Auch die sei nicht mehr zeitgemäß, finden Politiker der beiden großen Parteien. Ein Blick ins Ausland gibt ihnen recht: In Kanada und der Euro-Zone wird bis zwei Dollar oder Euro mit Münzen bezahlt, in der Schweiz ist selbst der Fünfer noch eine Münze. „Unsere größte Münze ist ein 25-Cent-Stück“, schimpft der demokratische Senator Tom Harkin aus Iowa. Er hat nicht ganz recht. Immerhin gibt es in den USA eine Dollar-Münze mit dem Bildnis der Sacagawea: Die hübsche Indianerin aus dem Stamm der Shoshonen half einst den US-Pionieren Lewis und Clark bei ihrer Expedition in den Wilden Westen. Doch der „Sacagawea-Dollar“ ist eher Sammlerstück als Zahlungsmittel und wird in amerikanischen Kassen und Geldbeuteln nur selten gesichtet.

Genau das will Harkin ändern: die Dollar-Münze soll den Schein ersetzen. Unterstützt wird der Senator von seinem republikanischen Kollegen John McCain aus Arizona. Gemeinsam haben die Senatoren einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Zahlungsmittel umstellen soll. Beide haben daran, wie könnte es anders sein, ein sehr persönliches Interesse: In Arizona liegt die größte amerikanische Kupfermine, die den Rohstoff für den neuen Dollar liefern soll, und in Iowa arbeitet PMX Industries, der Hersteller von Metallplatten für die Münzprägung.

Ähnlich sieht es natürlich auf der Gegenseite aus: Die Aktionsgruppe „Americans for George“, die sich nicht grundsätzlich um das Andenken des ersten amerikanischen Präsidenten kümmert, sondern ausschließlich um dessen weitere Präsenz auf der Dollar-Note, wird größtenteils von Crane & Co finanziert, dem Papierriesen, der seit Jahren das Spezialpapier für den Druck des Greenbacks herstellt. „Amerikanische Scheine sind die haltbarsten auf der ganzen Welt“, macht sich Vize-Chef Douglas Crane für sein Produkt stark. Crane und seine Mitstreiter haben die Statistik auf ihrer Seite: In anderen Ländern sei es sinnvoll, mehr auf Münzen zu setzen, argumentieren sie, da die Laufzeit eines durchschnittlichen Scheins nur drei bis sechs Monate betrage. Amerikanische Scheine halten länger.

Im Lager der Münzfreunde beruft man sich indes auf den Bericht des Government Accountability Office (GAO), dem obersten Wirtschaftsprüfer der USA. GAO sagt, dass die Regierung an der Umstellung auf Münzen bis zu 4,4 Milliarden Dollar verdienen könnte. Die Regierung verdient nämlich an der Geldmenge, die im Umlauf ist. Die meisten Leute geben Münzen aber nicht gerne aus, vor allem nicht in den USA, wo Geldbeutel nicht einmal Münztaschen haben, sondern bewahren sie zu Hause in einem Glas oder Sparschwein auf. Experten schätzen, dass eine von drei Münzen im Schnitt untätig herumliegen würde – dadurch müsste die Geldmenge angehoben werden, und der münzfaule Amerikaner zahle gewissermaßen eine freiwillige Steuer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben