• Währungsfonds befürchtet Deflation in Deutschland IWF rät zu Steuersenkungen, um das Wachstum anzukurbeln

Wirtschaft : Währungsfonds befürchtet Deflation in Deutschland IWF rät zu Steuersenkungen, um das Wachstum anzukurbeln

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Washington (dpa). Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in Deutschland eine „beträchtliche“ Deflationsgefahr, wenn das Wachstum so schwach bleibt wie befürchtet. Sollte die deutsche Wirtschaft in die Rezession abrutschen, steige das Risiko einer Deflation noch weiter, heißt es in einer Studie des IWF. „Deutschland leidet unter einem schwachen makroökonomischen Umfeld, hoher Arbeitslosigkeit und Problemen des Bankensektors“, schreibt der IWF. Deutschland befinde sich daher in der „HochrisikoKategorie“ für eine Deflation.

Als Deflation bezeichnen Wirtschaftsforscher einen anhaltenden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus. Grund für die Senkung der Preise ist ein zu großes Angebot von Gütern und Dienstleistungen, das auf eine zu geringe Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen trifft. Eine Deflation ist für eine Volkswirtschaft gefährlich, weil dann eine Abwärtsspirale droht. Fallenden Preisen folgen sinkende Produktion in den Unternehmen, sinkende Gewinne und schließlich steigende Arbeitslosigkeit. Zwar räumt der Währungsfonds ein, dass fallende Preise die deutschen Exporte stimulieren könnten. Doch das brauche Zeit.

In der Euro-Zone außerhalb Deutschlands sei die Deflationsgefahr wesentlich geringer. Anders als andere Länder habe Deutschland wenig Handlungsspielraum in der Finanzpolitik: einerseits wegen der Maastricht-Kriterien, die eine Reduzierung des Haushaltsdefizits verlangen, andererseits, weil die Europäische Zentralbank (EZB) wegen möglicher Inflationsgefahren in anderen Ländern derzeit keine umfangreiche Zinssenkung in Erwägung ziehe. Als wichtigste Gegenmaßnahme nennt der IWF neben niedrigeren Zinsen Steuersenkungen, um Investitionen zu fördern und damit Wachstum zu ermöglichen.

Im Gegensatz zum IWF hält EZB-Vizepräsident Lucas Papademos das Risiko einer Deflation in Deutschland für gering. Gleichwohl schließt er eine weitere Zinssenkung nicht aus. Anhaltend niedrigere Ölpreise, schwaches Wirtschaftswachstum und der starke Euro würden „Spielraum für die Geldpolitik schaffen“, sagte Papademos der „Süddeutschen Zeitung“.

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