Währungsfonds : Lagarde kandidiert für IWF-Spitze

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hat offiziell ihre Kandidatur für die Führung des Internationalen Währungsfonds erklärt. Der bisherige IWF-Chef Strauss-Kahn war nach seiner Festnahme wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung zurückgetreten.

Christine Lagarde.
Christine Lagarde.Foto: dpa

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde will ihren zurückgetretenen Landsmann Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) beerben. Sie habe sich "nach reiflicher Überlegung" entschlossen für das Amt zu kandidieren, sagte Lagarde am Mittwoch in Paris. Die Bundesregierung und die EU begrüßten die Kandidatur.

Lagarde sagte, sie habe in den vergangenen Tagen viel Zuspruch erhalten. in Frankreich stünden Staatschef Nicolas Sarkozy und Premierminister François Fillon "uneingeschränkt" hinter der Kandidatur. Sollte sie auf den Spitzenposten in Washington ernannt werden, bringe sie ihre gesammelte Erfahrung "als Anwältin, Unternehmenschefin, Ministerin und Frau" mit, sagte die 55-jährige Französin, die im Krisenjahr 2009 von der "Financial Times" zur besten Finanzministerin der Eurozone gekürt worden war.

Wer wird Nachfolger von DSK beim IWF?
Als Top-Kandidatin Europas für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) gilt Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde (r). Sie leitete eine der großen internationalen Wirtschaftskanzleien und fühlt sich in der angelsächsischen Welt zu Hause. Ihr Problem ist ihr Pass: Schon wieder einen Franzosen für den IWF – damit tun sich nicht nur die Schwellenländer, sondern auch einige Staaten der EU schwer.Weitere Bilder anzeigen
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19.05.2011 11:54Als Top-Kandidatin Europas für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) gilt...

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte Lagardes Kandidatur. Er unterstütze ihre Bewerbung "vollkommen", erklärte Barroso in Brüssel. Die Ministerin genieße auch im Ausland höchste Achtung. Lagarde war seit Tagen als Nachfolgerin für ihren Landsmann Strauss-Kahn gehandelt worden, der nach seiner Festnahme in New York wegen versuchter Vergewaltigung zurückgetreten war.
Die Bundesregierung begrüßte Lagardes Kandidatur. Berlin unterstütze die Kandidatur "ausdrücklich", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die 55-Jährige vereine "hohe fachliche Kompetenz" mit "großer Erfahrung auch auf dem internationalen Parkett". Sie sei zudem bestens mit der Schuldenkrise vertraut.

Auch Großbritannien sowie weitere europäische Länder hatten in den vergangenen Tagen Unterstützung für Lagarde signalisiert. Mächtige Mitgliedsstaaten des IWF wie die USA und Japan legten sich dagegen noch nicht fest.

Europäer oder Franzose zu sein, sei bei der Bewerbung "kein Trumpf", sagte Lagarde bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz in ihrem Ministerium. Es dürfe aber auch "kein Handikap" sein. Die Spitzenpolitikerin ging damit auf die Kritik von Schwellenländern ein, denen die ungeschriebene Regelung missfällt, wonach die Leitung des IWF einem Europäer zukommt.

Partie ist für Lagarde noch nicht gewonnen

Die IWF-Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika hatten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung kritisiert, die Regelung höhle "die Rechtmäßigkeit des Fonds" aus. Es erfülle sie "mit Sorge", dass Europa an seinem ungeschriebenen Anspruch festhalte, erklärten die sogenannten BRICS-Staaten. Lagardes Kandidatur dürfte auch Thema des G-8-Gipfels im französischen Seebad Deauville sein, wo die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der acht großen Industriestaaten am Donnerstag und Freitag tagen.

Aber auch wenn die Bewerbung bei dem Gipfeltreffen auf Zustimmung trifft, ist die Partie für Lagarde noch nicht gewonnen: Die französische Justiz will am 10. Juni entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren gegen die Spitzenpolitikerin eingeleitet wird.

Die Finanzministerin soll ihre Amtsgewalt missbraucht haben, als sie sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit des Skandalunternehmers Bernard Tapie mit der ehemals staatlichen Bank Crédit Lyonnais für ein Schiedsurteil einsetzte - Tapie strich daraufhin eine Entschädigung in Höhe von 285 Millionen Euro aus Steuergeldern ein. (AFP/dpa)

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