Wirtschaft : Währungskonten bringen mehr als Mini-Zinsen

SANDRA SCHUFFELEN (HB)

Die Zinsen auf dem Euro-Geldmarkt sind niedrig.Bei Tagesgeld müssen sich Anleger derzeit mit maximal drei Prozent begnügen.Auch bei Festgeld liegen die Sätze nur zum Teil über der Drei-Prozent-Marke.Attraktivere Konditionen bieten dagegen Tages- und Festgeldkonten in Währungen außerhalb der Eurozone.Jedoch müssen Anleger das Wechselkursrisiko einkalkulieren.Sollte die jeweilige Währung während des Anlagezeitraums an Wert verlieren, ist der Zinsgewinn schnell wieder aufgezehrt.Steigt der Wechselkurs allerdings, profitiert der Anleger zusätzlich von Kursgewinnen.

Für US-Dollar-Tagesgeld zum Beispiel bieten Bankinstitute aktuell zwischen 3,25 und 4,25 Prozent Zinsen pro Jahr.Für Festgeld liegen die Sätze bei einer Anlagedauer von einem Jahr bei bis zu 5,25 Prozent.Nach Meinung von Devisenexperten spricht zur Zeit allerdings viel für eine Abwertung des Dollars - zugunsten des Euros."Während die Notenbanken bisher weit mehr als 50 Prozent aller Devisenreserven in US-Dollar angelegt haben, dürfte sich jetzt der Euro als zweitwichtigste Reservewährung etablieren", erklärt Monika Döll, Renten- und Devisenanalystin der SGZ-Bank.Zudem ließen auch die volkswirtschaftlichen Daten eine Dollar-Abwertung erwarten.Nach Meinung von Ulrich Beckmann, Deutsche Bank Research, sprechen allerdings die Zinsspreads zugunsten des US-Dollars.Zehnjährige Anleihen rentierten in den Staaten derzeit um rund 100 Basispunkte höher als europäische Papiere gleicher Laufzeit."Also werden die internationalen Investoren den US-Bond-Markt nicht völlig links liegen lassen", sagt Beckmann.Wie die SGZ-Analystin erwartet auch er, daß der Euro in zwölf Monaten bei etwa 1,22 Dollar notieren wird.

Deutlich höhere Wechselkursrisiken birgt nach Ansicht der Devisenexperten das Pfund Sterling, auch wenn die Verzinsung für Tagesgeld bis zu 5,5 Prozent beträgt."Die britische Währung wird sich bis zum Ende des Jahres voraussichtlich auf 0,74 Pfund pro Euro abschwächen", meint Beckmann.In Großbritannien seien weitere Zinssenkungen zu erwarten - auch wegen der sich abkühlenden Konjunktur."Die Zinswende in Großbritannien war überfällig", meint auch Döll.Die Notenbank habe in der ersten Hälfte 1998 eine zu restriktive Geldpolitik verfolgt.Durch das starke Pfund sei die britische Exportwirtschaft eingebrochen.

Magere 0,5 bis 1 Prozent Zinsen bringen Währungskonten in Schweizer Franken.Und angesichts eines eher sinkenden Wechselkurses ist selbst konservativen Anlegern von einem Engagement abzuraten."Der Franken ist tendenziell überbewertet und wird sich in den nächsten Monaten auf 1,67 Franken pro Euro abschwächen", meint die SGZ-Analystin.Zudem werde die Notenbank versuchen, Aufwertungstendenzen im Keim zu ersticken.

Spekulativen Anlegern eröffnen sich eine ganze Reihe von Angeboten.So hat etwa die Santander Direkt Bank ein Tagesgeldkonto in mexikanischen Peso in ihrem Produktprogramm.Anleger kassieren dafür 18 Prozent pro Jahr, so viel wie für kein anderes Währungskonto.Mexikos Wirtschaft präsentiere sich inmitten der weltweiten Krisen recht stabil, heißt es bei Santander.Tatsächlich ist die Gefahr von Kursverlusten nicht zu unterschätzen.Deutsche Bank Research erwartet in den nächsten zwölf Monaten eine Abwertung des Peso zum Dollar von rund 15 Prozent.

Mit einer Verzinsung von bis zu 16 Prozent liegt der südafrikanische Rand auf Rang zwei der Tagesgeldkonditionen.Die hohe Verzinsung ist aber auch hier als Risikoprämie zu sehen.Gleiches trifft auf Währungskonten zu, die um zehn Prozent verzinst werden: etwa für den polnischen Zloty, die griechische Drachme oder die tschechische Krone.Selbst Anleger mit einer Vorliebe für Nervenkitzel sollten solche Währungskonten daher nur als Beimischung ins Depot nehmen.

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