Währungskrieg : Suche nach einer neuen Ordnung

Der Internationale Währungsfonds soll Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft strenger überwachen – doch ein Ende des Währungskriegs ist nicht in Sicht.

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Nichts als Appelle. IWF-Chef Strauss-Kahn, der ägyptische Finanzminister Boutros-Ghali, Frankreichs Wirtschaftsministerin Lagarde und US-Finanzminister Geithner.
Nichts als Appelle. IWF-Chef Strauss-Kahn, der ägyptische Finanzminister Boutros-Ghali, Frankreichs Wirtschaftsministerin Lagarde...Foto: dpa

Mit einem Appell zu einer stärkeren internationalen Kooperation ist die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Sonntag in Washington zu Ende gegangen. Dominique Strauss-Kahn, geschäftsführender Direktor des IWF, forderte die 187 Mitgliedsstaaten, vor allem aber die Industrie- und Schwellenländer, auf, die gute Zusammenarbeit während der Finanzkrise wieder aufzunehmen. Insbesondere die Differenzen über die Wechselkurspolitik sollten so geklärt werden. Mit nationalen Lösungen könnten globale Probleme nicht überwunden werden.

Vor allem China sah sich wegen der Unterbewertung des Yuan in Washington in der Kritik. Aber auch die Industrieländer diskutierten intensiv über ihre Währungen, vor allem über Euro, Dollar und Yen. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Der IWF soll jetzt auch bei Währungskonflikten eine stärkere Rolle spielen als bislang. Die Reform des IWF, die den Schwellenländern größeren Einfluss geben soll, nimmt langsam Gestalt an. „Hier hat es Fortschritte gegeben, aber keinen Durchbruch", sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen in der US-Hauptstadt.

Strauss-Kahn und Bundesbank-Präsident Axel Weber bemühten sich, den Disput über die Wechselkurse, der als „Währungskrieg“ tituliert worden war, zu entschärfen. Während vor allem die USA den überbewerteten chinesischen Yuan kritisierten, wurde von deutscher Seite der zu schwache Dollar moniert. Strauss- Kahn wies darauf hin, dass es nicht nur um Wechselkurse gehe, wenn das weiterhin fragile globale Wachstum stabilisiert werden solle, sondern auch um Strukturreformen in den einzelnen Ländern.

In seiner Abschlusserklärung weist der IMFC, das oberste Lenkungsgremium des IWF, ohne die Wechselkursdebatte zu erwähnen, „Protektionismus in jeder Form“ zurück. Dies müsse Kern der Krisenbewältigung sein. Axel Weber wies darauf hin, dass die Wechselkurse die ökonomischen Gegebenheiten in den Ländern widerspiegeln müssten.

Bei Wechselkursturbulenzen und anderer Fragen der wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen einzelnen Ländern soll der IWF künftig eine wichtigere Rolle spielen und seine „Arbeit vertiefen“, wie es in der Abschlusserklärung des IMFC heißt. Der Fonds sei die richtige Plattform, um die Probleme zu behandeln. „Der IWF steht im Zentrum möglicher Lösungen“, sagte Strauss-Kahn. Damit wird die Rolle der Institution, die in der Finanzkrise ohnehin schon deutlich an Bedeutung gewonnen hatte, noch stärker.

„Der IWF muss seine Überwachung der Wechselkurspolitik und des Aufbaus von Devisenreserven stärken“, sagte auch US-Finanzminister Timothy Geithner. Geithner hat dabei vor allem China im Blick. Neuen IWF-Angaben zufolge hat China rund 2,5 Billionen Dollar an Reserven angehäuft, fast ein Drittel des weltweiten Bestandes der US-Währung. Mit dem Ankauf von Dollar halte Peking den Kurs des Yuan niedrig und verschaffe sich damit erhebliche Handelsvorteile, kritisiert die US-Regierung.

Im Gegensatz zu früheren Jahren ernteten die Deutschen in Washington viel Lob. Auch die Amerikaner hätten die gute wirtschaftliche Entwicklung und den Erfolg der Strukturreformen, die vor allem am Arbeitsmarkt sichtbar würden, anerkannt, sagte Bundesbank-Präsident Weber. „Deutschland steht am Rande eines sich selbst tragenden Aufschwungs“, fügte er hinzu. Die Prognose auch des IWF für die Konjunkturentwicklung in Deutschland sei die beste für alle Industrieländer, ergänzte Finanzstaatssekretär Asmussen, der den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vertrat.

Mit rund 1,5 Milliarden Euro will sich Deutschland an der notwendigen Auffüllung des Fonds der Weltbank für die ärmsten Länder (IDA) beteiligen. Es müsse allerdings nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität gehen, sagte Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) in Washington. Die Weltbank hofft, bis Jahresende rund 42 Milliarden Dollar (etwa 27 Milliarden Euro) für IDA einsammeln zu können. Damit könnten nach Angaben von Weltbank-Präsident Robert Zoellick in den armen Ländern unter anderem 200 Millionen Kinder geimpft, 80 Millionen Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschafft und etwa zwei Millionen neue Lehrer eingestellt werden.

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