Wirtschaft : Währungskrise in der Türkei: Der Urlaub wird billiger

ro/bia/yo

Türkeiurlauber und türkische Arbeitnehmer in Deutschland kann die Krise kalt lassen. Das Urlaubsland Türkei steht bei den reisefreudigen Deutschen hoch im Kurs. Daran wird aber auch die Schwäche der türkischen Lira nichts ändern - im Gegenteil: Die Abwertung der Lira verbessert das ohnehin günstige Preis-Leistung-Verhältnis, was Urlaubsreisende freuen wird. Der Spezialist für Türkei-Reisen, Öger Tours, rechnet deswegen mit weiter steigender Nachfrage. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr bereits einen Zuwachs von 70 Prozent verzeichnet, sagte ein Sprecher. Reiseveranstalter TUI berichtet sogar von einem "dreistellig prozentualen Zuwachs". Nach Erdbeben, PKK-Anschlägen und anderen Krisen in diesem Land besinnen sich viele Urlauber auf die handfesten Vorteile des Landes: Die Türkei sei rund ums Mittelmeer das Reiseziel mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten, werben die Veranstalter. An den Reisekosten der deutschen Urlauber für Flug und Unterkunft wird sich allerdings nicht so schnell etwas ändern, da die Kontrakte in D-Mark oder US-Dollar ausgehandelt sind und die Reiseveranstalter ihre Planungen weit im voraus festzurren.

Für die Menschen in der Türkei wird auch manches günstiger. Viele erhalten von ihren Verwandten - auch aus Deutschland - Überweisungen in D-Mark oder Dollar, für die sie sich nun mehr Dinge des täglichen Bedarfs in Lira kaufen können - zumindest, so lange die Preise nicht erhöht werden. Für größere Anschaffungen wie Kühlschränke, Autos oder gar Häuser in der Türkei werden ohnehin schon seit Jahren Mark oder Dollar verlangt. Hier ändert sich also nichts.

Den in Deutschland arbeitenden Türken kommt nach Ansicht von Hakan Elman, dem stellvertretender Deutschlandgeschäftsführer der Demir Halk Bank, ihr vorsichtiges Anlageverhalten zugute: "Die meisten Sparer sind konservativ und legen in der Türkei Festgeldkonten an, die auf Mark oder Dollar lauten", berichtet er. Für viele türkische Anleger lohne es sich, Devisen in der Türkei anzulegen, weil sie dort höhere Zinsen bekommen.

Wer türkische Anleihen besitzt, muss wegen der jüngsten Währungskrise nicht mit einem Ausfall seiner Gelder rechnen. Allerdings dürften die Renditen, so vermutet Türkei-Experte Janis Hübner von der DG Bank, in den nächsten Tagen weiter steigen und die Kurse fallen. Als positiv bewertet er, dass die Türkei nach wie vor Devisenreserven besitzt, die nach der Freigabe des Wechselkurses auch nicht mehr zur Verteidigung der türkischen Lira eingesetzt werden müssen, und dass der Internationale Währungsfonds (IWF) das Land weiter unterstützt.

Hübner vermutet, dass hier zu Lande türkische Anleihen in einen niedrigen zweistelligen Mark-Milliarden-Wert platziert wurden. "Die Bonds waren relativ beliebt bei deutschen Anlegern und bei Türken, die hier leben. Die Renditen waren hoch und das Land genoss Vertrauen." Insgesamt sollen gut 40 Prozent der gesamten türkischen Auslandsschulden von rund 120 Milliarden Dollar Ende letzten Jahres von Fonds und privaten Anlegern gehalten worden sein. Im Schnitt lagen die Renditen bis zum Ausbruch der jüngsten Krise bei acht bis zehn Prozent. Jetzt sind sie nach Angaben von Hübner auf bis zu 15 Prozent gestiegen. Das Vertrauen in die Türkei an den internationalen Kapitalmärkten liegt derzeit am Boden. Bei der jüngsten Auktion konnten die Türken nach Angaben von Hübner nur die Hälfte der geplanten Staatspapiere platzieren. Gradmesser für das Vertrauen sei die nächste Platzierung von Staatsanleihen im Volumen von umgerechnet etwa zwei Milliarden Dollar Ende März. Sollten die Papiere nur schwer abzusetzen sein, werde die Lage für die Regierung in Ankara noch schwieriger. Anleger sollten ihre Türkei-Anleihen jetzt verkaufen, sagt Hübner. Von neuen Engagements rät er ab. Die deutschen Geldhäuser selbst betrachten die Krise relativ gelassen, ihre Kredite in der Region seien durch die Freigabe der türkischen Lira nicht gefährdet.

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