Wirtschaft : Währungskrise in der Türkei: Der Währungsfonds ist machtlos

Martina Ohm

Soll man den Internationalen Währungsfonds abschaffen? Angesichts der akuten Finanzkrise in der Türkei gibt es gute Gründe, die Frage wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Schon wieder droht einem Land die Zahlungsunfähigkeit. Wie Brasilien, wie Asien, wie Argentinien und Russland. Schon wieder müssen sich die IWF-Manager vorwerfen lassen, dass ihre Rezepte wirkungslos bleiben. Bereits im November hatte sich die Lage zugespitzt, war das Misstrauen in die Stabilitätspolitik der Türkei derart gestiegen, dass der Fonds mit frischen Milliarden das Schlimmste verhinderte. Trotz zahlreicher Warnungen wurden der Türkei nach bewährtem Muster neue Milliarden zugeschustert. Die Entwicklung der letzten Tage zeigt: Die Rechnung geht nicht auf. Anders als in Argentinien ist diese Politik in der Türkei gescheitert. Die Fragilität des politischen Systems, die Korruption in den Banken waren in der Türkei ausgeprägter als der Wille, die klassischen Sanierungsprogramme aus Washington konsequent durchzusetzen. Das haben die Krisenmanager nicht einkalkuliert. Oder sie wollten es nicht. Denn die geostrategische Lage der Türkei verführt die Amerikaner als größte Geldgeber des Währungsfonds im Ernstfall noch immer zu Pragmatismus. Aus dem Sonderfall Türkei lässt sich gleichwohl ein Grundsatz ableiten: Die wirtschaftliche Gesundung eines Landes kann nur funktionieren, wenn das politische System mitspielt. So lange das nicht der Fall ist, so lange bleibt auch die aus Stabilitätsgründen verordnete Wechselkursbindung nur eine tückische Sackgasse.

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