Wirtschaft : Währungspolitik nicht überfordern

EWI-Präsident Lamfalussy: Kein Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit Straßburg (tog).In seiner Abschiedsrede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg hat der scheidende Präsident des Europäischen Währungsinstituts (EWI) Alexandre Lamfalussy davor gewarnt, die Währungspolitik mit zu hohen beschäftigungspolitischen Erwartungen zu belasten.Wenn eine strikte Stabilitätspolitik zu niedrigen Inflationsraten führe, dann sei das natürlich gut für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.Stabilitätsorientierte Währungspolitik könne in diesem Fall tatsächlich Arbeitsplätze schaffen.Wenn aber die Arbeitslosigkeit strukturelle Ursachen habe, dann könne auch eine noch so solide Währungspolitik das Problem nicht lösen, sagte Lamfalussy. Der EWI-Präsident nannte das Beispiel der Niederlande und Belgiens, die seit vielen Jahren exakt den gleichen währungspolitischen Kurs steuern.Dennoch kämpft die belgische Regierung mit einer Arbeitslosigkeit von 9,5 Prozent, die Niederländer aber mit nur 6 Prozent.Dies zeige deutlich, daß es falsch sei, alle Hoffnungen auf die Währungspolitik zu setzen, meinte Lamfalussy.Entscheidender für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sei die Senkung der Arbeitskosten und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt."Wir sollten uns hüten, die Währungspoltik mit Erwartungen zu überlasten, die sie dann nicht halten kann", warnte der scheidende EWI-Präsident. Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, die auf die nach wie vor zu hohen Haushaltsdefizite der Euro-Anwärter fixiert ist, sieht der EWI-Präsident dem Start zur gemeinsamen Währung zum 1.Januar 1999 mit Zuversicht entgegen."Es sieht alles sehr gut aus.Ich habe großes Vertrauen in die Entwicklung", sagte Lamfalussy.Die tatsächlichen Wirtschaftsdaten rechtfertigten diesen Optimismus durchaus.Niemand habe noch vor drei Jahren daran geglaubt, daß die Inflation in Europa so schnell gebannt werden könne.Doch genau dies sei bei einer durchschnittlichen Inflationsrate in der

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