Wirtschaft : Währungsschwankungen haben abgenommen

JOACHIM HOFER

Schon vor Einführung des Euro sind die Wechselkurse stabiler als früher / Entscheidende Daten am FreitagVON JOACHIM HOFER BERLIN.Am Freitag ist es soweit: Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gibt die Daten zum Bruttoinlandsprodukt und dem öffentlichen Defizit für das vergangene Jahr bekannt.Ein wichtiger Tag für Deutschland auf dem Weg zur Währungsunion, denn die Zahlen werden zur Berechnung des sogenannten Defizitkriteriums nach dem Maastrichter Vertrag herangezogen.Auf dieser Seite stellen wir deshalb den weiteren Fahrplan zum Euro dar und werfen einen Blick auf die Schwankungen von Währungen der EU-Mitgliedsstaaten in der Vergangenheit. Wenn Wechselkurse stark nach oben oder unten ausschlagen, beschäftigt das die Menschen mehr als viele andere Bewegungen an der Börse.Klettert der Dollar beispielsweise um 20 Pfennige, so macht das den Amerika-Urlaub oft um einige hundert D-Mark teurer.Doch damit nicht genug: Weil Öl in Dollar gehandelt wird, steigen früher oder später auch die Benzinpreise in Deutschland.Und noch etwas: Steigt beispielsweise die Lira, so verbilligt das deutsche Waren in Italien und fördert demnach die Ausfuhr deutscher Güter.Kursschwankungen haben also sowohl positive als auch negative Seiten.Durch Manipulationen an den Kursen ihrer Währungen haben Regierungen immer wieder versucht, solche Mechanismen zum eigenen Vorteil auszunutzen.Mit einer Abwertung zum Beispiel läßt sich der Export zumindest kurzfristig ankurbeln und damit Arbeitsplätze sichern. Im Europäischen Währungssystem (EWS) allerdings haben sich die Kursausschläge in den vergangenen Jahren merklich beruhigt.Sicher, gewisse Schwankungen unter den Währungen der EU-Mitgliedstaaten sind geblieben.Die heutigen Differenzen drücken unter anderem die noch immer bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen aus.Daß die Kurven immer flacher werden (siehe nebenstehende Grafik), werten die Experten der EU als Ergebnis der Angleichung wichtiger Kenngrößen wie Inflation, Haushaltsdefizit und Zinssätze.Die weitaus größten Kursschwankungen gab es demgegenüber im Verhältnis mit den Nationen, die weder am EWS teilnehmen, noch in die Währungsunion drängen, also Großbritannien und den USA. Als gute Beispiele einer gleichmäßigen Entwicklung am Devisenmarkt gelten Spanien und Italien.Vor allem Spanien gelingt es seit Mitte 1995, das Verhältnis zur D-Mark als wichtigster Währung im EWS nahezu konstant zu halten.Seit anderthalb Jahren hat es auch die italienische Regierung geschafft, die Lira gegenüber der D-Mark um nicht mehr als zehn Prozent abweichen zu lassen.Seit Monaten bewegt sich darüber hinaus der Französische Franc in einer engen Spanne gegenüber der Mark.Niederländischer Gulden, Belgischer Franc - aufgrund der Währungsunion der beiden Staaten auch Luxemburgischer Franc - aber auch der österreichische Schilling sind seit Jahren so eng an die D-Mark gekoppelt, daß sich die Ausschläge in sehr engen Grenzen halten. Ganz anders dagegen das Verhältnis zum erklärten Nicht-Euro-Teilnehmer Großbritannien: Von Mitte 1996 bis Mitte 1997 kletterte das Pfund gegenüber der Mark um rund 40 Prozent.Die Europäer überlegen aus vielerlei Gründen - etwa um einen Abwertungswettlauf zu verhindern - schon lange, wie sie die frei schwankenden Wechselkurse zähmen können.Die jetzt erreichte Stablilität ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen.Bereits 1969 beschlossen die Staats- und Regierungschefs auf einem Gipfeltreffen in Den Haag, stufenweise eine Wirtschafts- und Währungsunion zu schaffen.Konkret wurden die Überlegungen allerdings erst 1972 mit dem europäischen Währungsverbund, der sogenannten "Währungsschlange".Zuvor war das 1947 im amerikanischen Bretton Woods geschaffene System weltweit fester Wechselkurse zusammengebrochen.Nach dem neuen, auf Europa begrenzten Vorstoß, durften die Wechselkurse der Währungen der EWG-Staaten um zunächst höchstens 2,25 Prozent nach oben oder unten von den vereinbarten Leitkursen abweichen. Sieben Jahre - und viele Turbulenzen - später folgte dann der nächste Schritt: Die Schlange wird duch das Europäische Währungssystem (EWS) abgelöst.Als wichtigsten Bestandteil des EWS führen die Regierungschefs die European Currency Unit (ECU) als Rechnungs- und Währungseinheit ein.Seitdem werden die Spannbreiten am vereinbarten ECU-Kurs ausgerichtet. Noch einmal zehn Jahre gingen ins Land, ehe sich die EG-Staaten in den Jahren 1989/90 tatsächlich auf die Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion einigen konnten. Den Weg zum einheitlichen Geld haben sie in drei Stufen eingeteilt: Der unwiderruflichen Fixierung der Wechselkurse mit den anschließenden Übergang zur einheitlichen Währung (dritte Stufe) soll eine längere Phase mit stabilen Wechselkursen vorausgehen (Stufe zwei).Die Wechselkursstablilität gilt deshalb auch im Maastricht-Vertrag als ein Maßstab für die Konvergenz, das heißt die Annäherung der Staaten untereinander. Zur größten Bewährungprobe des EWS auf dem Konvergenz-Pfad kam es im Spätsommer 1992.Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die einzelnen Währungen in der Spannbreite von plus/minus 2,25 Prozent um den festgelegten Mittelwert geschwankt.Doch dann kam es knüppeldick: Durch unterschiedliche Inflationsraten hatten sich riesige Spannungen im EWS aufgebaut, die zu einer plötzlichen, drastischen Abwertung von Lira, Pfund und Peseta gegenüber der D-Mark führten.Lira und Pfund scherten daraufhin aus dem System aus, für die verbliebenen Währungen wurde die Bandbreite auf plus/minus 15 Prozent ausgedehnt. Innerhalb dieser Spanne bewegen sich die EU-Währungen bis heute - zumeist allerdings innerhalb eines viel engeren Pfades.Spätestens am 1.Januar kommenden Jahres müssen die Wechselkurse der Euro-Teilnehmerstaaten endgültig feststehen.Gegenwärtig ringen die Experten um jede einzelne Ziffer.Gut möglich, daß die unwiderruflichen Umrechnungskurse bereits in diesem Frühjahr festgeschrieben werden.Ein Blick auf die Kursentwicklungen der wahrscheinlichen Mitglieder zeigt: Schon heute ist Bewegungsspielraum faktisch begrenzt.

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