Wirtschaft : Währungssturz nutzt Aktien nur kurzfristig

Jobst-Hinrich Wiskow

Ein denkwürdiger Tag für die deutschen Börsianer: Just an dem Tag, an dem der Euro so billig ist wie niemals zuvor, übersteigt der Deutsche Aktien-Index Dax wieder die Marke von 6000 Punkten. Kein Wunder: Die Aussichten der zumeist exportfreudigen deutschen Wirtschaft werden umso besser, je niedriger der Euro notiert. Somit dürften die Gewinne der Unternehmen steigen - das läßt auf steigende Aktienkurse hoffen. Das ist freilich nur die eine Sicht der Dinge. Denn während sich Anleger freuen, blicken die meisten Europäer mit Sorge auf den Kurs des Euro. Gewiss hängen Wohl und Wehe der Währungsunion nicht davon ab, ob ein Euro mehr kostet als ein Dollar oder weniger. Trotzdem wächst die Skepsis über die Zukunft der Europäischen Währungsunion. Schließlich gibt der Preis einer Währung Aufschluss darüber, wie groß das Vertrauen in eine Volkswirtschaft ist. Man mag einwenden, ein großer Teil des Kursrutsches seit Jahresbeginn sei lediglich darauf zurückzuführen, dass der Euro bei seiner Einführung vor einem Jahr zu hoch bewertet wurde. Doch warum hat der Euro die Finanzmärkte später enttäuscht? Die Europäische Zentralbank - die Hüterin des Euro - nennt einen Grund: Immer ermahnt sie die Staaten des Euroraumes zu haushaltspolitischer Diziplin. Besonders schelcht kommt - trotz Sparbemühungen - die Bundesrepublik weg. Starre Regulierung behindert zudem die Dynamik der Märkte. Hierzulande bleibt der Aufschwung verhältnismäßig schwach. Die Aktionäre hätten noch mehr Grund zur Freude, wenn die Unternehmen ihre Gewinne auf Grund der wirtschaftlichen Dynamik verbesserten - und nicht wegen des schwächelnden Euro.

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