Wirtschaft : Währungsumstellung: In Montenegro wird mit D-Mark bezahlt

bir/cl

Die deutsche Mark gilt ab sofort als offizielle Währung in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro. Mit ihrem Beschluss ersetzt die montenegrinische Zentralbank den Dinar, was als weiteres politisches Signal zur Loslösung von Serbien verstanden wird. Der offizielle Umtauschkurs liegt bei 36 Dinar für eine Mark. Die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank (EZB) nennen die Währungsumstellung Montenegros "eine einseitige Angelegenheit".

Der für internationale Währungsfragen zuständige Abteilungsleiter, Dietrich Hartenstein, sagte dem Tagesspiegel: "Deutschland oder die Europäische Zentralbank gehen keinerlei Verpflichtungen ein." Da die Mark schon seit vergangenem Jahr als Parallelwährung zum Dinar geführt wird, sieht Hartenstein keinen sehr großen zusätzlichen Bargeldbedarf. So würden aus diesem Anlass nicht zusätzliche Geldscheine gedruckt. "In Südosteuropa ist reichlich DM-Bargeld vorhanden", sagte er. Zudem könne sich Montenegro ohne völkerrechtliche Probleme an die deutschen Geschäftsbanken beziehungsweise die Landeszentralbank wenden und sich D-Mark beschaffen. Klar sei, dass Montenegro selbst keine D-Mark drucken dürfe. Dies sei nach wie vor das Monopol der Deutschen.

Auch die EZB sieht keine Probleme für die Mark beziehungsweise den Euro. Abgesehen davon, dass Montenegro ein sehr kleines Land mit einer geringen Wirtschaftsmacht sei, sei Montenegro kein Mitglied der Währungsunion und würde deshalb bei der Geldpolitik der EZB nicht beachtet. Wie Hartenstein sagte, sind vom gesamten Bargeldumlauf in Höhe von rund 250 Milliarden Mark insgesamt rund 33 Prozent im Ausland unterwegs. Käme hier in einem kleinen Land mehr Bargeld dazu, falle dies nicht ins Gewicht. Außerdem würde sich die EZB bei ihrer Gelpolitik an der Geldmenge M3 orientieren, bei der das Bargeld nur zu einem geringen Teil eingerechnet wird.

Mehr Schwierigkeiten könnte es nach Ansicht von Beobachtern allerdings mit gefälschten Geldscheinen geben: Dies hat schon die Entwicklung im Kosovo gezeigt. Dort mehren sich die Falschgeldvorfälle, nachdem die Mark von den Vereinten Nationen 1999 als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde. Gefälscht werde alles vom Fünf-Mark-Stück bis zum 500-Mark-Schein, sagte Ralf Reitemeier, Manager bei der ersten Privatbank im Kosovo, der Enterprise Bank. Auch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden bestätigte, dass es Mitarbeiter in den Kosovo geschickt hatte, um dem Falschgeld auf die Spur zu kommen.

Bei der EZB sieht man die Gefahr zusätzlicher falscher DM-Geldnoten in Montenegro dagegen gelassen. "Fälscher gibt es so oder so", heißt es da. Die Zentralbank sorge aber dafür, dass den Fälschern das Leben schwer gemacht werde. Nicht nur die Mark auch die künftigen Euro-Scheine würden mit höchsten Sicherheitsstandards versehen.

Schwierig könnte es nach Ansicht von Beobachtern allerdings werden, wenn bei der Einführung des Euro 2002 innerhalb kurzer Zeit sehr große Mark-Bestände in Euro-Scheine umgetauscht werden müssen. Denn dann könnte der eine odere andere gefälschte DM-Geldschein in lupenreine Euro-Geldnoten getauscht werden.

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