Währungsunion : Slowaken zahlen mit Euro

Die Slowakei hat als erstes Land des ehemaligen Ostblocks den Euro eingeführt. Die Umstellung von der Krone auf die europäische Gemeinschaftswährung zu Neujahr verlief weitgehend reibungslos.

Bratislava/Brüssel Mit den rund 5,4 Millionen Slowaken leben nun knapp 329 Millionen Menschen im Euro-Gebiet. Der Start des Euro im 16. Land der Währungsunion fiel mit seinem zehnten Geburtstag zusammen. Die gemeinsame Währung war am 1. Januar 1999 zunächst als Buchgeld eingeführt worden, die Münzen und Scheine folgten drei Jahre später.

Das Nachbarland Tschechien will am 1. November einen Zeitplan für die Euro-Einführung vorlegen. Das kündigte Regierungschef Mirek Topolanek an, ohne ein Terminziel zu nennen. Experten halten einen Beitritt Tschechiens zur Euro-Zone frühestens 2012 für möglich, weil die Regeln des Stabilitätspaktes eingehalten werden müssen. Die beiden Länder waren im 20. Jahrhundert im Staat Tschechoslowakei vereint.  Die EU-Kommission lobte die Euro-Einführung in der Slowakei. Die vorliegenden Informationen zeigten, dass die Umstellung in dem mitteleuropäischen Land gut verlief, teilte die Behörde in Brüssel mit.

Euro-Scheine aus Österreich

Der sozialdemokratische Ministerpräsident Robert Fico und andere Spitzenpolitiker des Landes waren demonstrativ unter den ersten, die sich kurz nach Mitternacht ihre Euro-Scheine aus den Bankomaten holten. Ein Ausfall der Automaten war eine der größten Befürchtungen gewesen, die sich letztlich nicht bestätigten. Die Banken hatten aber vorsorglich trotz Feiertags am Neujahrsmorgen ihre Schalter im ganzen Land offengehalten.

Allerdings blieben fast alle Tankstellen des Landes wegen befürchteter Anlaufschwierigkeiten zumindest vom Silvesternachmittag bis zum Mittag des Neujahrstages geschlossen. Auch einige kleinere Geschäfte in ländlichen Regionen gingen vorsorglich in Urlaub.  Noch bis zum 16. Januar kann in den slowakischen Geschäften neben Euro und Cent auch mit der Slowakischen Krone bezahlt werden. Erst danach wird die Krone nur noch von Banken gewechselt. Der Umtauschkurs liegt bei 30,1260 Kronen für einen Euro.

Die Euro-Scheine wurden für den Start aus Österreich ausgeliehen. Nur die Münzen sind schon jetzt slowakisch. Sie kommen aus der von deutschen Kolonisten im Jahr 1329 gegründeten Münzanstalt Kremnica (Kremnitz), die als älteste noch aktive Münzprägestätte der Welt gilt.

Zustimmung in der Bevölkerung wächst

Nach einhelliger Ansicht slowakischer und internationaler Wirtschaftsexperten kommt die Währungsumstellung für die Slowakei angesichts der internationalen Finanzkrise zum allerbesten Zeitpunkt. Schon die Fixierung des Umrechnungskurses von Euro und Krone im Juli 2008 verhinderte, dass die Slowakische Krone im Unterschied zu den Währungen der Nachbarländer Tschechien, Ungarn, Polen und Ukraine zum Ziel von Währungsspekulationen wurde.

Daher wuchs zuletzt auch die Zustimmung in der Bevölkerung zur Währungsumstellung rasch an. Bereits zwei Drittel der Slowaken waren im Dezember für den Euro. Noch im Sommer war der Vorsprung der Befürworter gegenüber den Gegnern nur hauchdünn gewesen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte in Brüssel, der Euro werde die Slowakei in die Lage versetzen, an den gemeinsamen europäischen Anstrengungen zur Überwindung der Wirtschaftskrise teilzunehmen und davon auch zu profitieren. "Mit dem Beitritt zum Eurogebiet hat die Slowakei ihr langfristiges Potenzial verbessert, Jobs und Wachstum zu schaffen und die Inflation im Griff zu halten." (jam/dpa)

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