Wirtschaft : Währungswechsel: Gib dem Ziegel Zaster: Wie die alten Geldscheine recycelt werden

Aus Hühnermist wird Strom gewonnen, aus Kunststoffabfällen werden Parkbänke gemacht - und aus alten Geldscheinen werden Ziegel gebrannt. Warum auch nicht? Es gibt kaum einen Wertstoff, der heute nicht erneut Verwendung findet. Auch Banknoten werden einmal ausgemustert. Über ihren weiteren sinnvollen Einsatz hat sich ein junger Unternehmer Gedanken gemacht. Herausgekommen ist dabei die erste deutsche Geldrecycling-Firma mit Sitz im niederrheinischen Korschenbroich.

Das Verfahren ist einfach: Die Scheine werden klein gehäckselt, Lehm und Ton beigemischt und die Rohprodukte später zu Ziegeln gebrannt. "Die gehäckselten Banknoten sind ein Rohstoff erster Güte", sagt Heiko Schnütgen, 36 Jahre jung, Geschäftsführer und zugleich Gründer der Gesellschaft für innovative Lösungen in der Abfallwirtschaft - kurz Ila genannt. Also keineswegs wertloser Müll, denn die Scheine sind so genannte nassfeste Papiere - Spezialpapiere mit einer besonders langen Faserstruktur. Genau darum hat sich die Verwertung in den Papierwerken bislang äußerst schwierig und auch sehr teuer gestaltet.

Eine Doktorarbeit über die Entsorgung von Brauerei-Reststoffen brachte den gelernten Kaufmann auf die Idee für das Verfahren: Flaschenetiketten zählen nämlich genau wie Banknoten zu den nassfesten Papieren. Die Abfall-Lösung sieht so aus: Die Banknoten werden von den Landeszentralbanken in bereits geschreddertem - das heißt komplett entwertetem - Zustand angeliefert. Dann werden sie auf dem Firmengelände nochmals mechanisch zerkleinert, mit anderen nassfesten Papieren angereichert und in einer Anlage zu Papierwürstchen verarbeitet.

"Ilafill" lautet der Name des neuen Recycling-Produkts. Die patentierten Papierflocken gehen an die Ziegelindustrie. "Nach Ergebnissen der Uni Erlangen verfügt unser neuer Ziegel über eine vergleichsweise gute Wärmedämmung", sagt Schnütgen. Der Jungunternehmer träumt bereits von neuen Anlagen - mit Produktionsstätten über die deutschen Grenzen hinaus, etwa in Belgien oder in den Niederlanden. Im Hinblick auf die Euro-Bargeldeinführung ist das keine unrealistische Vorstellung.

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