Wagniskapital aus Berlin : Earlybird fliegt auf den Osten

Earlybird Venture Capital sammelt 110 Millionen Dollar für einen neuen Fonds ein, der Start-ups in der Türkei und Osteuropa finanzieren soll.

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Das Team des Digital East Fonds von Earlybird: Dan Lupu, Cem Sertoglu, Evren Ucok und Roland Manger (von links).
Das Team des Digital East Fonds von Earlybird: Dan Lupu, Cem Sertoglu, Evren Ucok und Roland Manger (von links).Foto: Earlybird

Die Berliner Wagniskapitalgesellschaft Earlybird Venture Capital legt einen neuen Fonds für die Türkei und Osteuropa auf. 110 Millionen Dollar (rund 81 Millionen Euro) hat das Team für den Earlybirds Digital East Fonds bereits eingeworben, weitere 20 Millionen Dollar sollen noch hinzukommen. Das Geld soll in junge Unternehmen aus den Bereichen Internetdienste, mobile Technologien und Anwendungen sowie Software fließen. Damit steigt das seit der Gründung im Jahr 1997 von Earlybird aufgelegte Fondskapital auf mehr als 700 Millionen Euro.

2011 war Earlybird von Hamburg nach Berlin gezogen. Insgesamt zwölf Partner managen heute das Portfolio aus Beteiligungen an 27 Unternehmen. Earlybird investiert 200 000 bis 15 Millionen Euro in junge Technologiefirmen in einer sehr frühen Phase.

„Bis jetzt gibt es aber nur wenige Investoren, die dort unterwegs sind.“

Die Initiative für den Digital East Fonds kam von Earlybird-Partner Roland Manger. „Wir finden noch genug Anlagemöglichkeiten in Berlin und Europa“, sagte Manger im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Aber wir müssen uns natürlich kontinuierlich weiterentwickeln.“ In Osteuropa und der Türkei sieht er große Chancen: „Dort gibt es viele gut ausgebildete, technikbegeisterte junge Leute – und ein überdurchschnittliches Wachstum.“ Auch unternehmerisches Talent sei vorhanden. „Bis jetzt gibt es aber nur wenige Investoren, die dort unterwegs sind“, sagt Manger. Das international besetzte Team aus vier Partnern habe in den vergangenen 18 Monaten aus einer Auswahl von mehr als 1300 Investmentmöglichkeiten bereits 100 Unternehmen identifiziert, die finanzierungswürdig seien. „Wir sind zuversichtlich, dass wir nicht nur gute Unternehmen finden, sondern auch eine gute Rendite erzielen“, versichert Manger.

Zu den bisherigen Investments zählt unter anderem Trendyol.

Investitionen in der Frühphase eines Unternehmens sind hochriskant. Erfahrene Investoren erwarteten von einem Fonds eine interne Verzinsung von mindestens 15 Prozent, erklärt Manger. „Allerdings sind in der Branche in den vergangenen zehn Jahren die erwarteten Renditen im Schnitt nicht erfüllt worden.“ Es sei einfach zu viel Geld auf dem Markt gewesen – vor allem in den USA. Daher sei dort aktuell auch eine starke Konsolidierung zu beobachten. Die Performance des Teams bei den bisherigen Investments in der Digital-East-Region liege dagegen über den durchschnittlichen globalen Renditevergleichswerten. Zu den bisherigen Investments zählt unter anderem Trendyol, führender Online-Modeanbieter der Türkei, und der Online-Marktplatz Gitti-Gidiyor, den Ebay 2012 für 220 Millionen Dollar übernommen habe.

Inzwischen hat Earlybird auch ein Büro ins Istanbul. Zu den Zeichnern des neuen Digital East Fonds gehören institutionelle Anleger wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die Istanbul Venture Capital Initiative aber auch Unternehmerfamilien und Privatinvestoren. Wie üblich ist der Fonds auf eine Laufzeit von zehn Jahren angelegt.



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