Wirtschaft : Wagniskapital: Der Boom ist zu Ende

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In Deutschland werden vermögende Anleger immer stärker von Anbietern umworben, die über Dachfonds die Beteiligung an Private Equity ermöglichen. Unter diesem Oberbegriff werden Investitionen verstanden, die in nicht börsennotierte Unternehmen fließen, also etwa die Bereitstellung von Wachstumskapital für Start-ups. Die Investoren sollten sich ein solches Fonds-Investment gut überlegen, denn aus den USA, dem größten Wagniskapitalmarkt der Welt, mit einem Mittelaufkommen von rund 154 Milliarden Dollar allein im vergangenen Jahr, kommen beunruhigende Signale.

Barton Biggs, Chef-Stratege bei der Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter (MSDW), erwartet, dass die Renditen der Private-Equity-Beteiligungen in den kommenden Jahren "ein Desaster" werden. Die Beteiligungsportfolios hätten in den zurückliegenden Monaten Rückschläge von bis zu 70 Prozent hinnehmen müssen. "Venture Economics", die maßgebliche Quelle für Informationen zum Markt, meldet ein Rendite-Minus von 6,3 Prozent für Venture Capital im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Dabei seien die Investoren überrascht worden, wie stark die Wertentwicklung bei Private Equity offenbar mit der Entwicklung an den Börsen zusammenhängt.

Bisher war eines der stärksten Argumente für solche Beteiligungen, dass sie gerade unabhängig seien von den Schwankungen an den Finanzmärkten. Biggs glaubt, dass der Abschreibungsbedarf sehr viel höher sein wird als die von "Venture Economics" erwähnten gut sechs Prozent, weil über Abgrenzungs- und Bewertungsspielräume die Verluste lange verschleiert werden könnten.

Private Anleger verunsichert

Auch in Deutschland zeigen sich erste Bremsspuren. Bei den privaten Investoren gibt es momentan offenbar eine starke Verunsicherung. "Für die Profis läuft das ganz glatt weiter und die wissen auch, dass sich jetzt hoch interessante Beteiligungen zu günstigen Bewertungen anbieten", erklärt Rüdiger Kollmann, Vorstand der Solutio AG, die zusammen mit der LGT Capital Management über das Anlagekonzept "Crown" sowohl institutionelle als auch private Kunden anspricht. Die nicht-institutionellen Investoren seien auf jeden Fall zurückhaltender als vor einem Jahr. Kollmann geht davon aus, dass eine Reihe von Anbietern, die erst in jüngster Zeit in den Markt drängten, nicht überleben werden, mit entsprechenden Folgen für deren Kunden.

Nach einer fünfjährigen Hochphase ist der Boom für die Wagnisfinanzierer auch hier zu Lande im dritten und vierten Quartal 2000 zu Ende gegangen. "Wir sprechen von einer Konsolidierung, nicht von einer Krise", erläutert Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Im laufenden Jahr werde das Geschäft schwieriger, ein endgültiges Bild werde man sich aber erst im dritten oder vierten Quartal machen können. Zwar seien Pleiten von einzelnen Gesellschaften nicht auszuschließen, es werde aber eher zu Fusionen kommen.

Nach Ansicht eines Experten sind vor allem diejenigen Anleger in Gefahr, die sich mit relativ kleinen Beträgen engagiert haben. Hier seien die Renditeversprechen auf der Kippe, obwohl schon in der Boomphase davor gewarnt worden sei, dass sich die Anleger hier "zum Roulettespielen in der Hölle" aufmachten. Bei den Anlagekonzepten der großen Banken und Vermögensverwalter mit hohen Mindestzeichnungssummen gelten die Risiken als kleiner, weil hier Größenordnungen zusammenkommen, die ein professionelles Management zulassen. Zu Zeiten der New-Economy-Blase wurden über Börsengänge mit Private Equity traumhaft hohe Renditen erwirtschaftet. In den vergangenen zehn Jahren erzielten die USAnbieter von Venture Capital nach Abzug aller Gebühren jährliche Renditen von durchschnittlich 21,5 Prozent. Solche Renditen dürften jetzt selten werden.

Kriterien für den Anleger

Für Anleger ist es entscheidend, dass sie sich an Hand einiger Kriterien vor bösen Überraschungen schützen. Experten wie Dirk Söhnholz, geschäftsführender Gesellschafter der Feri Private Equity GmbH, nennen unter anderem folgende Kriterien:

Das Management muss unbedingt in größerem Stil selbst in den Fonds investiert sein. Der Dachfonds muss nachweisen, dass er in die weltweit besten Unterfonds investiert, denn der Renditeunterschied zwischen dem obersten Viertel und dem Durchschnitt kann bis zu 30 Prozentpunkten ausmachen. Das eingesetzte Kapital muss in der Vergangenheit vervielfacht worden sein. Und schließlich sollten die Anleger auf die Gebühren achten.

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