Wirtschaft : Wahnsinn!

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Man fragt sich gelegentlich, ob wirklich nur die Rinder vom Wahnsinn befallen sind. Als im letzten Dezember bei einer Kuh im USBundesstaat Washington die Rinderseuche BSE festgestellt wurde, reagierten gleich dutzende Länder mit einem Einfuhrstopp für US-Rindfleisch. Obwohl die USA die Situation inzwischen nach eigenen Angaben unter Kontrolle haben, halten große Abnehmer wie Japan und Südkorea an der Einfuhrsperre fest.

Dennoch brauchen die Amerikaner sich nicht darüber zu wundern, dass einige Länder unter vorgeschobenen Sicherheitsargumenten protektionistische Schranken gegen US-Produkte aufbauen. Denn damit folgen sie letztlich nur der US-Strategie. Auf einen einzigen BSE-Fall im Mai 2003 in Kanada reagierte schließlich auch das US-Agrarministerium mit einem Einfuhrverbot für Rindfleisch und lebende Rinder. Die Kanadier sind immer noch wütend – aus gutem Grund.

US-Präsident Bush hat dem kanadischen Premierminister zwar versichert, man strebe die Wiederherstellung des Fleischhandels an. Doch den Protektionisten auf den US-Farmen kommt die Abschottung vor der kanadischen Konkurrenz ganz recht. Ihre Lobby hat im vergangenen Monat eine gerichtliche Verfügung erwirkt, die dem Landwirtschaftsministerium die Normalisierung des nordamerikanischen Rindfleischhandels untersagt. Auch der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat Agrarministerin Ann Veneman dringend geraten, kanadisches Fleisch weiter auszuschließen.

Seitdem die BSE-Epidemie in den 90er Jahren ihren Höhepunkt in Großbritannien erreichte, hat man viel über die Ausbreitung der Krankheit gelernt. Danach verhindert man BSE, indem man die Futterkette strikt kontrolliert. Die USA haben das gewährleistet und könnten eine Ausbreitung von BSE auch dann stoppen, wenn die Krankheit bei einer größeren Anzahl von Tieren auftreten sollte. Doch während dem Rinderwahn dank der Wissenschaft wirksam begegnet werden kann, bleibt der Ausbruch von Protektionismus leider weiterhin unbehandelt.

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