Wirtschaft : Waigel und Tietmeyer kritisieren IWF

Krisenmanagement reformbedürftig / Waigel sieht Wachstum Deutschlands über IWF-Prognose WASHINGTON (ell).Deutschland will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein zusätzliches Druckmittel an die Hand geben, um Finanzkrisen wie in Asien rechtzeitig entgegenwirken zu können.Wenn die betroffenen Länder auf vertrauliche Warnungen nicht reagierten, dürften öffentliche Mahnungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Bundesfinanzminister Theo Waigel am Mittwoch vor dem Treffen der sieben führenden Industrienationen (G-7) in Washington.Außerdem müßten die Banken frühzeitiger in die Krisenbekämpfung einbezogen werden.Die USA wollen notfalls den Zugang von Banken aus Schwellenländern zu den internationalen Finanzmärkten beschränken, um die Reform des Banken- und Finanzwesens in diesen Ländern zu erzwingen. Zuvor hatte Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer den IWF kritisiert: Der Fonds müsse sein Krisemanagement gründlich überdenken, forderte er.Der IWF solle den Krisenländern nicht zu früh und schnell mit großen Beträgen zur Hilfe kommen.Die freizügige Kreditvergabe mache die Politiker und Banker nur leichtsinnig, da sie am Ende immer auf die Rettung durch den IWF bauen könnten: "Dadurch wird die Moral und die Funktionsfähigkeit der Märkte untergraben", sagte Tietmeyer in einem Rundfunk-Interview.Der Bundesbankpräsident forderte schnellere und aktuellere Informationen über die weltweiten Finanzbewegungen.Der IWF solle frühzeitiger als bisher auch die Banken an den Tisch bringen und vor allem kleinere Rettungspakete schnüren. Laut Waigel wurden die asiatischen Länder rechtzeitig vertraulich vor der Krise gewarnt, die im vergangenen Jahr Thailand, Indonesien, Südkorea, Malaysia und die Philippinen erfaßte.Vielleicht sei künftig eine öffentliche Mahnung angebracht, wenn die betroffenen Länder die Warnungen nicht zur Kenntnis nähmen und Zahlen nicht zur Verfügung stellten. US-Finanzminister Robert Rubin stellte vor dem Treffen die Reform der Finanzsysteme in den Schwellenländern in den Vordergrund.Die USA prüften, ob es möglich sei, dies zu erzwingen, indem Banken aus den betroffenen Ländern die Expansion auf dem Weltmarkt erschwert werde.Er drängte Japan, seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.Das Thema werde im Mittelpunkt des G-7-Treffens am Mittwoch stehen. Waigel forderte die Regierung in Tokio auf, die Konsolidierung des japanischen Finanzsystems energischer anzugehen.Das jüngste Konjunkturpaket habe "selbst für japanische Verhältnisse einen großen Umfang".Einzelheiten seien aber immer noch nicht bekannt.Der IWF gehe jedoch nach einer ersten Bewertung davon aus, daß die Maßnahmen ausreichten, um die japanische Wirtschaft in diesem Jahr zumindest geringfügig wachsen zu lassen.Waigel hatte am Dienstag abend mit IWF-Exekutivdirektor Michel Camdessus gesprochen.In seinem Frühjahrsbericht hatte der IWF der japanischen Wirtschaft zum Ärger Tokios für dieses Jahr ein Nullwachstum vorhergesagt. Der Bonner Finanzminister zeigte sich pikiert über die IWF-Prognose für Deutschland, die für 1998 ein Wachstum von nur 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vorsieht, für Frankreich dagegen 2,9 Prozent."Wir sind der Meinung, daß wir mehr als 2,5 erreichen werden und nicht schlechter dastehen als Frankreich." Das IWF-Sorgenkind Indonesien mahnte er erneut zur "vollen Umsetzung aller angekündigten Reformen".Die Auswirkungen der Krise in Asien auf die Weltwirtschaft bezifferte er mit einer Wachstumseinbuße von einem Prozentpunkt.Der Reformprozeß in Thailand und Südkorea komme gut voran.Die Krise dürfe die Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs nicht aufhalten.

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