Wirtschaft : Wal Mart: US-Konzern forciert den Preiskampf

"Wal Mart setzt seine überlegene Kapitalmacht ein, um den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel sturmreif zu schießen." Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, Gerd Härig, hat am Montag drastische Worte gefunden, um die jüngste Preisoffensive des US-Konzerns Wal Mart zu beschreiben. Für mehr als 1000 Artikel - vom Hähnchenschenkel bis zum Marken-Gefrierschrank - senkte der Konzern jetzt die Preise. Die deutschen Konkurrenten müssten nun wohl - zu Lasten ihrer Gewinne - nachziehen, glaubt Härig.

Es ist das zweite Mal im Abstand von gut zwei Monaten, dass der größte Einzelhändler der Welt die deutschen Konkurrenten gezielt unter Druck setzt. Erst im Juni hatte der Konzern die deutschen Discounter wie Aldi, Plus oder Lidl mit Preissenkungen für Grundnahrungsmittel wie Mehl oder haltbare Milch auf neue Tiefstwerte geschockt. Der neue Angriff gelte vermutlich eher den großen SB-Märkten der Konkurrenz, vermuteten Branchenkenner angesichts der ungleich weiter gefächerten neuen Preisrunde, die Markenkaffee genauso wie Herrenjeans, Mountainbikes und Staubsauger betrifft.

Konkurrenz soll mürbe werden

"Die Strategie von Wal Mart ist eindeutig", urteilt der Chefvolkswirt des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Robert Weitz. Das US-Unternehmen habe in Deutschland die kritische Masse für ein längerfristiges Überleben noch lange nicht erreicht. Er müsse seinen Umsatz von derzeit geschätzt rund 5,3 Milliarden Mark auf 20 bis 25 Milliarden Mark erhöhen. Durch internes Wachstum sei dies in absehbarer Zeit nicht zu erreichen. Deshalb müsse das Unternehmen Konkurrenten aufkaufen. "Das ist der eigentliche Sinn der von Wal Mart initiierten Preiskämpfe: die Konkurrenten so schwach zu machen wie möglich, bis irgendeiner die Lust verliert", meint Weitz.

Schwer dürfte dies dem US-Giganten mit einem Umsatz von 358 Milliarden Mark nicht fallen. Denn während die deutschen Lebensmittelhändler mit durchschnittlichen Netto-Umsatzrenditen von 0,7 Prozent auskommen müssen, kommt Wal Mart daheim auf Renditen von fünf bis sechs Prozent und erwartet in diesem Jahr einen Jahresüberschuss von 11,7 Milliarden Mark. Wal Mart selbst bestreitet eine solche Strategie natürlich entschieden. "Wir halten nur das Versprechen an unsere Kunden, dort die Preise zu senken, wo es möglich ist", beteuert am Montag die Unternehmenssprecherin Susanne Müller.

Auf Hilfe vom Bundeskartellamt können die deutschen Lebensmittelhändler wohl nicht hoffen. Erst vor einem Monat hatte Deutschlands oberster Wettbewerbshüter Ulf Böge betont: "Das Bundeskartellamt wird alles vermeiden, in die Rolle eines Preiskommissars zu geraten." Erste Überprüfungen der von Wal Mart im Juni losgetretenen Preissenkungen hatten zuvor keinen Hinweis auf Preisdumping erbracht. Die Konsumenten können sich also freuen: im deutschen Einzelhandel dürfte noch einige Zeit der Rotstift regieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben